Amazon.com Finanzielles Konzept noch nicht zu erkennen

Firmenchef Jeff Bezos verprellt Analysten mit der Strategie "Umsatzwachstum vor Gewinn". Die Börse reagiert zunehmend irritiert auf die immensen Investitionen und Verluste bei dem Online-Kaufhaus.

Frankfurt am Main - Die Aktien des Internet-Versandhändlers Amazon sind nach einem Interview mit dem Gründer und Vorstandsvorsitzenden Jeff Bezos unter Druck geraten. Bezos hatte betont, an der Strategie "Umsatzwachstum vor Gewinn" festzuhalten.

Analysten und Anleger sind von dieser Strategie zunehmend irritiert. Immer neue Anlaufinvestitionen wie beispielweise Werbemaßnahmen belasten die Bilanz. Dadurch verschiebt sich das Erreichen der Gewinnzone immer weiter in die Zukunft.

Auch der optimistische Ausblick, den Bezos auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft gab, vermochte Anleger und Analysten nicht zu besänftigen. Holly Guthrie vom Brokerhaus Janney Montgomery Scott sah gerade durch die Weihnachtssaison Probleme auf Amazon zukommen.

Die Analystin stufte am Montag die Aktie von "Halten" auf "Verkaufen". Zwar seien die Probleme für Amazon lösbar. Sie gefährdeten auch nicht das Überleben des Versandhändlers, doch vom Weihnachtsboom werde Amazon nicht profitieren.

Vorige Woche wurde sogar das Distributions-Modell in Frage gestellt. Lauren Cooks, Analystin bei Robertson Stephens hat Bedenken an den Logistik-Lösungen des Unternehmens angemeldet. Neben den Kernprodukten Bücher, CDs und Videos würden immer mehr Haushalts-Produkte angeboten. Dies beeinträchtige einen effizienten Auslieferungs-Prozess.

Die Aktienexperten von Morgan Stanley Dean Witter hingegen empfehlen den Wert noch immer zum Kauf. Sie sehen in dem breitgefächerten Warenangebot einen Vorteil und loben den Kundenservice von Amazon. Zwar sei bis jetzt noch kein erfolgreiches finanzielles Konzept zu erkennen, doch habe das Unternehmen in den vergangenen Jahren beeindruckende Zahlen geliefert.