Siemens Geht in die Internet-Offensive

Ein Konzern lernt das E-Business. Vorstandsvorsitzender Heinrich v. Pierer will Siemens zum Internet-Unternehmen umbauen. Bislang krankte der Konzern an einem fehlenden Gesamtkonzept, E-Business-Center sollen dem jetzt abhelfen.

München - Am Dienstag eröffnete die Siemens AG ihr erstes E-Business Center. Am Münchner Flughafen gelegen soll das "Center of E-Excellence" sämtliche E-Business-Aktivitäten des weitverzweigten Konzerns koordinieren. Weitere Center sind im amerikanischen Atlanta und in Singapore vorgesehen. Sie alle sollen dem avisierten Ziel dienen, Siemens zu einer E-Company zu wandeln.

Für den Umbau will der Konzern in den kommenden 18 Monaten rund eine Milliarde Euro investieren. Die angekündigte Milliarde sei dabei nur eine erste Etappe, sagte von Pierer. "Die Übung ist damit keineswegs beendet."

Sämtliche Geschäftsbereiche sollen einbezogen werden

Bisher fehlte den verschiedenen Bereichen des Konzerns ein Gesamtkonzept für die Web-Aktivitäten. Albert Goller, Leiter der Münchner Centers, soll nun eine Linie durchsetzen. Regelmäßig wird der 49-Jährige dem neuen E-Board im Vorstand berichten.

Den Planungen zufolge sollen bei der Umstellung zum Internet-Unternehmen sämtliche Geschäftsprozesse einbezogen werden - vom Einkauf bis zur Vermarktung, von der Entwicklung bis zum Controlling. E-Learning, E-Recruitment und E-Logistics sollen die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Darüber hinaus sollen innerhalb des kommenden Jahres alle 440.000 Mitarbeiter Zugang zum Internet erhalten.

Siemens will vor allem den elektronischen Einkauf ausbauen, erklärte Pierer erklärte. Derzeit würden zehn Prozent des Einkaufs-Gesamtvolumens von rund 35 Milliarden Euro elektronisch abgewickelt. Diese Anteile wolle der Konzern auf über 50 Prozent steigern.

Kooperationen mit i2 und IBM

Als technische Plattform werden E-Business-Lösungen des US-Anbieters i2 eingesetzt. Weitere Kooperationspartner sind das Tochterunternehmen Siemens Business Services (SBS) sowie das US-Unternehmen IBM, das Software-Lizenzen liefern wird.

Mit der Internetoffensive erhofft sich Siemens Kosteneinsparungen in Höhe von einer Milliarde Euro. Pierer betonte jedoch, dass mit dem Investitonsprogramm kein Abbau von Arbeitsplätzen verbunden sei. Es sei im Gegenteil damit zu rechnen, dass in Zukunft "tausende neue Arbeitsplätze" entstünden.