DaimlerChrysler "Vorstandsschreck" Wenger fordert Gesetzesänderung

Der Kleinaktionärs-Verband muss eine Niederlage einstecken. Das Stuttgarter Landgericht genehmigte den umstrittenen Aktien-Optionsplan für Top-Manager des Autobauers. Die Kläger wollen in die Berufung gehen.

Stuttgart - "Die Aktionäre wussten, worum es geht", sagte der Vorsitzende Richter Gunter Gössel zur Begründung des Urteils.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) und der als "Vorstandsschreck" geltende Stuttgarter Wirtschaftswissenschaftler Ekkehard Wenger hatten den Beschluss der Hauptversammlung des Autokonzerns vom April angefochten.

Gesetz im Sinne des Firmenvorstands

Sie kritisierten vor allem, dass den Aktionären der Gesamtwert der erfolgsabhängigen Vergütung für DaimlerChrysler-Manager nicht genannt worden sei.

Mitkläger Wenger sagte der "Berliner Zeitung", er werde Berufung beim Stuttgarter Oberlandesgericht einlegen. "In Stuttgart hat noch nie ein Gericht gegen DaimlerChrysler entschieden", sagte Wenger nach der Urteilsbekanntgabe.

Wenger nannte es "absurd", dass die DaimlerChrysler-Führung die Aktionäre über den finanziellen Umfang des Optionsplanes im Unklaren lassen könne. Das Vorgehen der Unternehmensspitze werde durch eine Lücke im Aktienrecht begünstigt. Das Gesetz erlaube, dass der Firmenvorstand nichts zu den Kosten eines Optionsplanes sagen müsse. Wenger forderte die Bundesregierung auf, die Gesetzeslücke umgehend zu schließen.

Der Vorsitzende Richter betonte, den Aktionären seien alle nach dem Aktiengesetz vorgeschriebenen Eckpunkte für den Optionsplan bekannt gewesen. Dazu zählen der Kreis der Bezugsberechtigten, der Erwerbs- und Ausübungszeitraum der Aktienoptionen sowie die Erfolgsziele des Plans. Der Gesamtwert der Maßnahmen gehöre jedoch nicht dazu, betonte Gössel.

96 Prozent stimmten Optionsplan zu

Eine entsprechende Frage auf der Hauptversammlung habe vom Vorstand auch gar nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden können, weil dazu eine Zukunftsprognose der Kursentwicklung erforderlich sei. Die Hauptversammlung hatte dem Optionsplan mit einer Mehrheit von fast 96 Prozent zugestimmt.

Die SdK zeigte sich mit der Begründung des Urteils nicht zufrieden. "Optionspläne sind nicht kostenlos. Die Aktionäre hätten vor ihrer Entscheidung wissen müssen, ob das Paket 100 Millionen oder fünf Milliarden Euro wert ist", sagte Sprecher Lars Labryga. Zur Berechnung gebe es finanzmathematische Methoden, die in der Betriebswirtschaft Standard seien.

Wie Wenger erwägt der Sdk, in die Berufung zu gehen. Ein entsprechender Entschluss solle auf der Vorstandssitzung der Interessenvertretung am Donnerstag gefällt werden, erklärte ein SdK-Sprecher.