Autoindustrie Riskanter Poker um Asiens Märkte

Asien gilt als der Zukunftsmarkt. Nirgendwo erwarten die Strategen europäischer und amerikanischer Autokonzern größere Zuwachsraten. Doch der Kampf um Marktanteile in Fernost nimmt bizarre Züge an.

Seoul - Das Ringen um Marktanteile auf dem asiatischen Automarkt treibt seltsame Blüten. Es ist so absurd geworden, dass europäische und amerikanische Konzerne Millarden Dollar für Firmen bieten, die sich in den vergangenen Jahren tief in die roten Zahlen gewirtschaftet haben.

Kaufangebote für Südkoreas Kia und Daewoo sind Beispiele einer Unternehmensstrategie, die im Einstieg bei konkursreifen Unternehmen den Schlüssel für den asiatischen Automarkt sucht.

Doch nicht jedes Billigangebot lohnt das Zücken des Geldbeutels: Die Manager von Ford zogen ihren Plan, den bankrotten Autohersteller Daowoo zu übernehmen, Mitte September zurück. Grund hierfür seien erst während der Verhandlungen entdeckte Schulden, heißt es unter Berufung auf Branchenkreise.

Auch DaimlerChrysler und sein koreanischer Partner Hyundai Motor hatten zuletzt wiederholt bekräftigt, nicht an Daewoo Motor interessiert zu sein.

Nun haben sich der weltgrößte Autokonzern General Motors (GM) und sein italienischer Partner Fiat als letzte verbliebene Interessenten zu Übernahmeverhandlungen um Daewoo Motor bereitgefunden GM und Fiat verhandeln über Übernahme.

Zunächst sollten "guten Willens" Vorgespräche geführt werden, hieß es in einer am Montag in Seoul verbreiteten gemeinsamen Erklärung des Bieterkonsortiums von GM und Fiat, der Daewoo-Führung sowie der Gläubigerbanken. Konkret werde es dabei um die Übernahme des Pkw-Bereichs gehen.

Doch GM, das schon jetzt mit Beteiligungen bei Suzuki, Isuzu und Fuji Heavy (Subaru) auf asiatische Vielfalt setzt, und Mitbieter Fiat sollten gewarnt sein: Die Widergeburt eines asiatischen Autobauers konnten bisher nirgends gefeiert werden, trotz der zahlreichen bestehenden Kooperationen.

So mühen sich seit Jahren Ford-Manager für Mazda. Bei Nissan schuftet der von Renault entsandte Carlos Ghosn - inzwischen als Präsidenten - für bessere Zahlen.

Und die Beteiligung von DaimlerChrysler an Mitsubishi Motor enttäuschte die Finanzmärkte schon vor dem endgültigen Abschluss des Geschäfts. Der japanische Konzern musste bekanntermaßen peinliche Fehler beim Umgang mit Kundenbeschwerden eingestehen.

Das Singledasein von Toyata und Volkswagen erscheint aus dieser Perspektive nicht länger als Manko. Vertriebs- und Marketingvorstand Robert Büchelhofer zufolge erwarten die Wolfsburger in China eine Verdoppelung des Gesamtmarktes auf rund eine Million Fahrzeuge jährlich Büchelhofer erwartet in China Marktverdoppelung. Jeder zweite Wagen soll von VW produziert werden; dafür drei Milliarden Mark in den kommenden fünf Jahren investiert werden.

"Übergröße macht wieder schwächer. Wir stoßen jetzt schon an Grenzen. Es ist schwierig genug, unsere vier Kernmarken zu koordinieren", begründete VW-Lenker Ferdinand Piech im Interview mit "manager magazin" die Konzernstrategie lieber aus eigener Kraft, als durch Zukäufe zu wachsen. Das kostspielige und bislang wenig ertragreiche Ringen um die asiatischen Autobauer scheint Piech vorerst Recht zu geben.