Börse heute Technologieaktien belasten Dax

Der deutsche Aktienmarkt hat am Montag mit deutlichen Verlusten geschlossen. Die schwachen Vorgaben der Wall Street haben vor allem die Technologiewerte belastet. Am Neuen Markt kam es wieder zu Panikverkäufen.

Frankfurt am Main - Der Dax gab zum Börsenschluss um 1,41 Prozent auf 6680 Punkte nach. Die im Nemax-50 zusammengefassten Wachstumswerte verloren 3,57 Prozent auf 4559 Zähler. Der M-Dax büßte 0,94 Prozent auf 4850 Punkte ein.

In den USA notierte der Dow Jones zum Zeitpunkt des deutschen Börsenschlusses 0,04 Prozent schwächer bei 10.592 Punkten. Die Nasdaq legte nach schweren Verlusten im frühen Handel um 0,26 Prozent auf 3369 Zähler zu.

Nervöser Handel und dünne Umsätze

"Nervosität beherrscht den Markt", erklärte ein Münchner Aktienhändler. Die Technologie in den USA laufe schlecht und reiße auch die deutschen Standardwerte mit in die Tiefe. Die Umsätze seien allerdings dünn. "Es gehört nicht viel dazu, Aktienkurse nach oben oder nach unten zu drücken", fügte er hinzu.

Die starken Kursverluste am Neuen Markt begründete Händler Tilo Brauer von der Bayerischen Landesbank damit, dass Fonds-Manager aus den Wachstumswerten ausstiegen. "Es herrscht momentan ein reiner Ausverkauf der Aktien", erläuterte Brauer.

"Wir haben fast täglich ein Crash-Szenarium bei den Schwergewichten im Neuen Markt", sagte der Broker Peter May von Warburg Dillon Read. Der Übertreibung nach oben folge nun eine nach unten, fügte er hinzu. "Das Vertrauen in die Wachstumswerte ist mehr als zerrüttelt."

Technologieaktien unter Druck

Die Aktie des Herstellers für elektronische Bauelemente Epcos sank um 5,42 Prozent auf 86,35 Euro. Der Titel der Siemens-Halbleitertochter Infineon verbilligte sich um 0,64 Prozent auf 52,99 Euro. SAP gaben um 3,69 Prozent auf 234,62 Euro nach. Siemens verloren 2,35 Prozent auf 141,49 Euro.

"Investoren gehen aus der Technologie raus und legen das Geld in Konsumaktien an", sagte ein Broker. Das Papier des Sportartikelherstellers Adidas Salomon kletterte um 1,72 Prozent auf 60,95 Euro. Die Aktie des Konsumherstellers Henkel verteuerte sich um 2,78 Prozent auf 66,60 Euro.

DaimlerChrysler mit deutlichem Plus

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählte auch DaimlerChrysler. Die Aktie legte um 0,86 Prozent auf 51,75 Euro zu. Analyst Hendrik Emrich von Helaba Trust in Frankfurt führte den Anstieg des Papiers auf die Pressekonferenz des Unternehmens am Montag zur neugegründeten E-Business-Holding zurück.

Unter dem Namen DCX Net Holding sollen alle gegenwärtigen und künftigen elektronischen Geschäfte abgewickelt werden. Ein anderer Broker erklärte die Gewinne mit einer technischen Reaktion auf die Verluste der vergangenen Wochen. "Investoren decken sich kurzfristig mit DaimlerChrysler-Aktien ein", fügte er hinzu.

Lufthansa verliert trotz neuer Kooperation

Trotz Bekanntgabe der Kooperation mit China Air gab die Aktie der Lufthansa um 0,58 Prozent auf 22,17 Euro nach. Die Airline und die staatliche chinesische Fluggesellschaft Air China wollen ihre Flüge zwischen Frankfurt und Peking sowie Frankfurt und Schanghai künftig unter gemeinsamer Flugnummer anbieten.

Analyst Robert Gülpers von der Sal. Oppenheim bewertete die Kooperation positiv. Ausländische Gesellschaften seien in China bislang kaum vertreten. Die Lufthansa erhalte hier ohne einen teuren Zukauf Zugang zum Markt. Seiner Ansicht nach leide der Titel zwar noch etwas unter den hohen Ölpreisen, dürfte sich aber besser als der Markt entwickeln.

Gewinnmitnahmen bei Schering

Gewinnmitnahmen belasteten das Papier des Berliner Pharmakonzerns Schering. Der Titel gab um 0,73 Prozent auf 67,90 Euro nach. "Investoren nehmen Gewinne mit", begründete Analyst Martin Schnee von Independent Research die Kursverluste. Zudem belaste die allgemeine Unsicherheit am Markt die Pharmaaktie.

Der Titel profitierte in den vergangenen Wochen von einer möglichen Übernahme durch den US-Pharma- und Kosmetikkonzern Johnson & Johnson. Des weiteren planen die Berliner, ihre Biotechnologie-Tochter im nächsten Jahr an die Börse zu bringen.

Unter Druck standen auch Bankentitel. Die jüngste Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank belaste die Aktien, da höhere Zinsen auf die Margen der Banken drückten, erklärte ein Aktienhändler. Deutsche Bank gaben um 1,67 Prozent auf 94,84 Euro nach. Dresdner Bank verbilligten sich um 1,34 Prozent auf 48,44 Euro.

Panikverkäufe am Neuen Markt

Der "Wir hangeln uns von einer Hiobsbotschaft zur nächsten", sagte ein Händler einer Münchener Großbank. Am Freitag sei der Markt wegen Intershop eingebrochen. Am heutigen Montag hätten EM.TV mit der Nachricht für Furore gesorgt, dass ihr Halbjahrebericht wegen eines technischen Versehens nach unten korrigiert werden muss.

Der Filmrechtehändler hatte fälschlicherweise einen Umsatz in Höhe von 31,6 Millionen Mark und ein Ergebnis von 6,5 Millionen Mark für die amerikanische Tochter Jim Henson Company ausgewiesen. Beide Zahlen hätten aber erst in den kommenden beiden Monaten entstehen sollen.

"Wer weiß, was als nächstes kommt. Die Marktteilnehmer lauern nur auf die nächste Negativ-Meldung", sagte der Münchner Händler. Peter May, Händler von Warburg Dillon Read sprach von einem "schon täglichen Crashszenario". Das Vertrauen in Wachstumswerte sei mehr als zerrüttet. Mittlerweile gebe es keinen mehr am Neuen Markt, der noch an einen "Goldenen Oktober" glaube.

Indexschwergewichte belasten den Nemax

EM.TV verbilligten sich bis zum Börsenschluss um 28,01 Prozent auf 39,74 Euro. Die Korrektur der Halbjahreszahlen sei zwar keine Gewinnwarnung, aber die Art der Präsentation sei mehr als unglücklich erfolgt, sagte ein Frankfurter Händler. Die Investoren hätten sich daraufhin die Frage gestellt, ob sie dem Unternehmen noch trauen können.

Intershop gaben erneut 5,39 Prozent auf 52,50 Euro ab. Börsianer bezeichneten die Verluste, die die Aktie seit Freitag erlitten hatte, als "völlig übertrieben". Der Kurs sei "gnadenlos zusammengeprügelt" worden, nachdem Analysten die Aktie als zu hoch bewertet bezeichnet hatten.

T-Online drehten kurz vor Handelsschluss auf Gewinnkurs. Der Wert gewann 1,11 Prozent auf 22,75 Euro. Gigabell brachen um 24,53 Prozent auf 5,97 Euro ein. Als Grund wurde am Markt die Unsicherheit genannt, ob das Unternehmen wirklich durch die Übernahme des finnischen Internet-Providers Saunalahti gerettet werden kann.

Euro-Börsen notierten schwächer

In Paris büßten die im EuroStoxx-50 zusammengefassten europäischen Standardwerte 2,15 Prozent auf 4851 Punkte ein. Die Aktien in London und Paris verzeichneten ebenfalls deutliche Kursverluste.

Der Euro bewegte sich am Devisenmarkt weiterhin unter der Marke von 87 Cent. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 0,8694 Dollar gehandelt. Der Dollar kostete 2,2508 Mark.

Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,8695 (Freitag: 0,8703) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2494 (2,2473) Mark.

Der Rentenmarkt legte leicht zu. Der Bund Future zehnjähriger Staatsanleihen stand bei 105,43 Punkten um 0,1 Prozent höher. Der Rentenmarktindex REX stieg um 0,1 Prozent auf 110,09 Punkte. Die Umlaufrendite wurde am Mittag von der deutschen Bundesbank bei 5,26 (Freitag: 5,28) Prozent geringfügig niedriger festgestellt.