Sony Lassen Kinder-Wünsche den Kurs steigen?

Ende Oktober bringt der Unterhaltungsriese sein neues Videospiel-System weltweit in die Regale - mit einem Jahr Vorsprung vor der Konkurrenz. Für Anleger könnte das eine Spekulation wert sein, falls Sony liefern kann.

Tokio - Der Start für das neue Videospiel-System von Sony, die PlayStation 2, ist für den 26. Oktober angesetzt. Das Gerät bietet noch mehr grafische Finessen, spielt digitale Videodisks (DVD) ab und kommt auch mit Spielen, die für den Vorgänger konzipiert wurden, klar.

Vor allem aber hat Sony ein gutes Jahr Vorsprung vor der Konkurrenz. Erst im Oktober 2001 werden die neuen Geräte der Wettbewerber Nintendo und Microsoft erwartet.

Bis dahin, so erwarten Branchenkenner, kann Sony allein den Videospiel-Markt abräumen. Sie rechnen mit langen Schlangen und leeren Regalen in den Läden, denn Sony mit der Produktion aller Voraussicht nach nicht nachkommen.

40 Prozent des Sony-Gewinns aus Videospielen

Sony brachte die erste Spielkonsole vor fünf Jahren auf den wichtigen US-Markt. Mit einer geschickten Strategie gelang des Japanern, ihre wichtigen Konkurrenten von Nintendo auszustechen: Statt 60 Dollar für ein Nintendo-Spiel auszugeben, konnten Eltern und Kindern ein Sony-Spiel schon für 40 Dollar oder weniger haben.

Für das Unternehmen wurde die Konsole PlayStation 1 zum vollen Erfolg. Der Videospielmarkt brachte im vergangenen Jahr schon 40 Prozent der Gewinne des gesamten Unternehmens.

Nun steht Sony freilich vor der Aufgabe, hochgesteckte Erwartungen zu erfüllen. Bis zum 26. Oktober schafft die Firma höchstens eine halbe Million neuer Geräte in die Läden - nur halb so viel wie ursprünglich erwartet und wahrscheinlich auch benötigt.

Liefer-Engpässe scheinen sicher

Rund zwei Milliarden Dollar sollen in neue Fertigungskapazitäten investiert werden. Bis Jahresende will Sony die Produktion auf 1,4 Millionen Geräte hochfahren. Doch erst Ende März soll die Produktion ihre volle Kapazität von drei Millionen Geräten erreicht haben.

Die erste Ladung wird aber bereits bis Jahresende rund eine Milliarde Dollar Umsatz in die Kassen spülen, erwartet Sony.

Jedes Gerät wird rund 300 Dollar kosten, zusätzliche Ausstattungen wie Speicher-Karten und Joysticks schlagen mit je 35 Dollar zu Buche. Spiele werden rund 50 Dollar kosten.

Sony muss voraussichtlich für jedes Gerät 188 Dollar drauflegen. Dafür verdient die Firma an jedem Spiel. Selbst Spiele, die von anderen Unternehmen für das Gerät entwickelt werden, bringen Sony pro verkaufte Einheit 8 bis 10 Dollar Lizenzgebühr.

Wenn denn Spiele und Geräte zu haben sind: Anleger, die sich auf eine Spekulation mit der Sony-Aktie einlassen, sollten gelegentlich das Angebot der Internet-Auktionshäuser prüfen. Steht die PlayStation 2 dort noch zu astronomischen Preisen um die 1000 Dollar zur Auktion, verspielt Sony seinen zeitlichen Vorsprung.

Dann werden Kunden eher auf die Konkurrenten Nintendo und Microsoft warten.