Priceline.com Aktienkurs stürzt ab

Das auch an deutschen Börsen notierte US-Dotcom schockiert seine Anleger mit einer Umsatzwarnung. Vor allem das Geschäft mit Flugtickets macht Probleme. Analysten sehen ihre Zeifel am Geschäftsmodell bestätigt.

Norwalk - Der Umsatz werde im dritten Quartal voraussichtlich nur bei 340 bis 345 Millionen Dollar liegen, teilte die amerikanische Internetfirma mit.

Analysten waren von 360 Millionen bis 380 Millionen Dollar Umsatz für das dritte Quartal ausgegangen. Ihnen zufolge wird das Ergebnis je Aktie nun auf dem Niveau des zweiten Quartals liegen, in dem das Unternehmen einen Verlust von einem Cent je Aktie gemeldet hatte.

Nach Bekanntgabe der Umsatzwarnung brach der Aktienkurs am Mittwoch an der Nasdaq ein. Gegen 20.30 Uhr MESZ notierte der Titel in New York bei 10,62 Dollar (minus 41,6 Prozent). Ebenso steil fiel der Absturz an den deutschen Börsen aus.

Airlines drängen selbst ins Geschäft mit Billig-Tickets

Probleme macht vor allem das Geschäft mit Flugtickets. Wie Priceline.com mitteilte, wird der Umsatz in diesem Bereich zum Vorquartal um 20 bis 25 Millionen Dollar sinken. Die Fluggesellschaften hätten weniger Gebote akzeptiert, begründete das Unternehmen die zurückgenommene Umsatzschätzung. Auch der Wert der vermittelten Tickets sei gesunken.

Nach den bisherigen Erfahrungen sei der September der umsatzstärkste Monat im Fluggeschäft, sagte der Vorstandsvorsitzende Daniel Schulman. Nach seinen Angaben entwickelte sich der September-Umsatz in diesem Jahr aber schlechter als im Juli und August. Ursache sei ein zweiter Flugbenzinaufschlag von 20 Dollar im September und die Einführung eigener Auktionsplattformen durch die Fluggesellschaften.

Unter Ausschluss der Flugticketvermittlung rechnet Priceline.com mit einem Umsatzanstieg um 20 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2000. Gleichzeitig sei eine Ausweitung der Betriebsgewinnmargen zu erwarten, hieß es weiter.

Analysten kritisieren Geschäftsmodell

Priceline.com bietet seinen Kunden die Möglichkeit, Flugtickets, Automobile, Hotelübernachtungen und - über die Tochter Webhouse - Lebensmittel sowie Benzin zu günstigen Preisen einzukaufen. Dabei gibt der Kunde ein verbindliches Angebot ab, auf das Anbieter wie Fluggesellschaften eingehen können.

Analysten zweifelten, ob das Geschäftsmodell von Priceline.com langfristig erfolgreich sei. So wurde bemängelt, dass eine relativ große kritische Masse an Kunden erforderlich sei, damit das Unternehmen die Gewinnzone erreicht.

Darüber hinaus sei Priceline zumindest in einigen Arbeitsfeldern wie Flugreisen und Automobilen oftmals nicht in der Lage, herkömmliche Angebote zu unterbieten. Die Margen seien in dem Geschäft sehr dünn und das Marktpotenzial nur begrenzt.

Die Kritik scheint sich mit der neuen Meldung zu bestätigen. Bereits im Vorfeld sollen rund 40 Prozent der Mitarbeiter der Priceline.com-Tochter Webhouse entlassen worden sein.