Olympia "Lauf meines Lebens"

Nils Schumann hat der heimischen Leichtathletik überraschend Glanz verliehen. Der 22-Jährige gewann als erster Deutscher überhaupt Olympia-Gold über 800 Meter.

Sydney - Erst auf den letzten 100 Metern überholte Schumann den Favoriten Wilson Kipketer aus Dänemark und den Bronzegewinner Aissa Djabir Said-Guerni aus Algerien. In dem "Lauf meines Lebens" passierte Schumann nach 1:45,08 Minuten die Ziellinie.

"Dass ich heute hier in Sydney Olympiasieger werde, dazu brauche ich eine Woche, um das zu verdauen", sagte der 22-Jährige nach dem Endlauf im ZDF. "Es wurde sehr knapp, aber es hat gereicht."

Die Zielgerade sei grausam gewesen, sagte Schumann, der erstmals an Olympischen Spielen teilnimmt. Der Deutsche Meister von 1999 und 2000 konnte sich erst spät von seinen Mitläufern absetzen und verwies den in Kenia geborenen Favouriten Wilson Kipketer auf Platz Zwei. Kipketer lief in 1:45,14 Minuten vor Aissa Djabir Said-Guerni (1:45,16 Minuten) ins Ziel.

Kipketer sei ein fairer Sportsmann und habe ihm bereits gratuliert, sagte Schumann. Er habe zuvor nicht gewusst, mit welchen Erwartungen er zu den Spielen fahren solle. Durch Verletzungen musste Schumann zuvor seine Teilnahme an wichtigen Wettkämpfen absagen.

Mit dem Triumph hat sich die kluge Vorbereitung von Schumann ausgezahlt. Er hatte zuletzt auf gute Startgelder bei den internationalen Meetings verzichtet und sich ganz auf den olympischen Wettkampf konzentriert. "Ich kann jedes Tempo mitgehen und jeden schlagen", hatte der in Bad Frankenhausen geborene und für den SV Creaton Großengottern startende Athlet aus Thüringen schon nach den Vorläufen erklärt.

Der legitime Nachfolger des großen Rudolf Harbig verfehlte in Sydney nur ein Ziel: Er wollte auch den 17 Jahre alten deutschen Rekord von Willi Wülbeck (1:43,65) unterbieten. Im Halbfinale hatte er mit 1:44,22 Minuten eine persönliche Bestzeit aufgestellt.

Gold, Silber, Bronze: Der Medaillenspiegel Olympia 2000: Das Wichtigste im Überblick

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