Miadora Online-Juwelier ist pleite

Im Zuge der anhaltenden Dotcom-Krise hat es erneut eine hochgehandelte E-Commerce-Site erwischt: Der US-Internet-Schmuckhändler Miadora musste seine virtuellen Pforten schließen.

San Francisco - Informationen des "Wall Street Journal" zufolge musste das Unternehmen am Freitag seinen Betrieb aufgrund finanzieller Engpässe einstellen und nahezu alle 77 Angestellte entlassen.

"Wir hatten große Schwierigkeiten, Finanzmittel für die nächsten Monate zu bekommen", erklärte Miadora-CEO Barry Gilbert. "Ohne zusätzliches Kapital gab es keine andere Möglichkeit, als den Betrieb einzustellen." Miadora habe sich auch um Fusionspartner sowie Käufer für das im April 1999 gegründete Online-Juweliergeschäft bemüht, allerdings ohne Erfolg.

Dabei sah die Zukunft für die kalifornische E-Commerce-Site zunächst recht rosig aus: Das Unternehmen hatte namhafte Venture-Kapitalisten wie Sequoia Capital, Oracle Venture Fund und Comdisco Ventures für sich gewinnen können und in drei Finanzierungsrunden insgesamt 46 Millionen US-Dollar aufgetrieben. Zudem konnte durch die Übernahme des Online-Händlers Jewelry.com im Februar ein entscheidender Konkurrent ausgeschaltet werden.

Noch im Dezember lief kostspielige Werbekampagne

Noch im Dezember letzten Jahres hatte der Web-Juwelier äußerst kostspielige Werbekampagnen im Internet lanciert: In einer der "größten Online-Verlosungen in der Geschichte des Internet" etwa erhielt der glücklicher Gewinner nichts Geringeres als eine 43-Karat-Diamantenkette im Wert von 100.000 US-Dollar. Um die E-Commerce-Site noch weiter in der US-amerikanischen Fashionwelt bekannt zu machen, veranstaltete das Unternehmen unter anderem auch eine Glamour-Party in San Francisco.

Einer am Montag von Challenger, Gray & Christmas veröffentlichten Studie zufolge hält die Dotcom-Krise ungebrochen an: In den letzten zwei Monaten mussten Internet-Unternehmen 9000 Entlassungen aussprechen. Seit letztem Jahr haben damit über 16.000 Web-Angestellte ihren Job verloren. Neben Online-Entertainment- und Medien-Companys sind vor allem auch E-Commerce-Sites von der Pleitewelle betroffen.

Jochen A. Siegle, San Francisco