Bundeskartellamt Billigt Web-Markt für Autofirmen

Die Wettbewerbshüter haben den großen Autokonzernen für ihre Convisint-Internetplattform grünes Licht gegeben. Vermutungen, dass Ford und Co. wettbewerbswidrige Absprachen treffen könnten, haben sich bislang nicht bestätigt.

Bonn - Zur Zeit gebe es "keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine Verletzung des Kartellverbots", begründete Kartellamtspräsident Ulf Böge die Entscheidung zum Detroiter E-Commerce-Unternehmen. Die Behörde hatte zum ersten Mal eine Internetplattform überprüft.

Covisint werde mit einer Reihe von weiteren Business-to-Business-Plattform im Wettbewerb stehen. Somit sei für den Kfz-Markt keine wettbewerblich bedenklichen Rückwirkungen ersichtlich. Böge kündigte jedoch gleichzeitig an, die Entwicklung von Covisint weiterhin genau zu beobachten, um den Wettbewerb auch in Zukunft zu sichern.

Mehr als 25 Zulieferer wollen Convisint nutzen

An dem Gemeinschaftsunternehmen Covisint beteiligen sich die Automobilhersteller DaimlerChrysler, Ford und General Motors sowie Renault/Nissan. Die Web-Plattform soll dazu dienen, Hersteller und Zulieferer zusammenzubringen.

An dem Online-Markt wollen mittlerweile mehr als 25 große Automobilzulieferer teilnehmen. Darunter auch die Internetfirma Commerce One und das Softwareunternehmen Oracle.

Deutsche Kartellbehörde hatte erstmals eine Web-Plattform geprüft

Mit Convisint hat sich die Bundesbehörde erstmals der Problematik der Internetplattformen angenommen. Noch gibt es keine einheitliche Regelung, wie mit den Online-Marktplätzen, bei denen sich verschiedene Wettbewerber zusammentun, umgegangen werden soll.

Die Entscheidung wurde "in engem Kontakt mit der amerikanischen Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) getroffen", sagte Ulf Böge. Die US-Behörde genehmigte bereits vor zwei Wochen die Plattform.

EU-Wettbewerbshüter haben bereits einen Marktplatz gebilligt - kein Präzedenzfall

Anfang August hatte die Europäische Kommission erstmals die Bildung einer Internet-Handelsplattform gebilligt, gegen die Bedenken vorlagen - es handelte es sich um das Projekt Myaircraft.com einiger US-amerikanischer Flugzeug-Teilelieferanten. Die EU-Behörde hatte keine Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht festgestellt.

Dabei hatte sie aber gleichzeitig deutlich gemacht, dass die Entscheidung nicht Vorbild für weitere Beschlüsse sein müsse.