Pfandverleiher Möchten gern per Web versteigern

Die Leihhäuser würden gern ihre Pfänder per Internet versteigern, anders als Web-Auktionatoren wie Ebay oder Ricardo dürfen sie das aber nicht. Jetzt fordert der Verleiherverband eine Änderung der Gesetze.

Regensburg - Bei den deutschen Verleihern kommen jährlich Produkte im Wert zwischen 50 und 100 Millionen Mark unter den Hammer, erklärte der Vorsitzender des Zentralverbands des deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP), Joachim Struck, gegenüber mm-online.

Dieser Wert entspricht etwa acht Prozent der Gesamtumsätze der 170 privaten deutschen Leihhäuser. Versteigert werden diejenigen Goldkettchen, Uhren, Edelsteine oder Silberlöffel, die die Kunden nicht zurückbekommen, weil sie ihr Darlehen nicht abgestottert haben.

Auf vielen Pfändern bleiben die Verleiher allerdings sitzen, beklagt Struck. Wenn sie das Internet als Informationsmedium einsetzen dürften, könnten die Leihhäuser ihre Kettchen und Löffel wohl wesentlich besser absetzen.

Ebay und Ricardo sind von strengen Regeln nicht betroffen

Dürfen sie aber nicht. Die im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelte "Pfandleihe-Verordnung" schreibt bei Pfandversteigerungen die persönliche Anwesenheit der Beteiligten vor. Ein Gerichtsvollzieher oder ein öffentlicher Vereidigter müssen der Zeremonie beiwohnen.

Struck fühlt sich gegenüber Internet-Anbietern wie Ebay oder Ricardo im Nachteil. Die deklarieren ihre Versteigerungen einfach als "besondere Verkaufsveranstaltungen", sagt der ZDP-Vorsitzende - und somit unterliegen sie nicht den strengen Versteigerungs-Regelungen.

Pfandleihhaus-Lobbyist Struck fordert, dass die rigorosen Regelungen für seine Branche gelockert werden. Immerhin habe sich der Gesetzgeber bereits hie und da der modernen Technik angepasst. So sei ab Januar 2001 die elektronische Unterschrift bei entsprechender Absicherung einer Signatur per Hand juristisch gleichgestellt.

Gesetzesänderung ist nicht zu erwarten

Eine "Flexibilität von Vater Staat" (Struck) komme auch in den UMTS-Versteigerungen zum Ausdruck. Keine der gesetzlichen Versteigerungs-Vorschriften sei eingehalten worden, behauptet Struck.

Dass die neue Flexibilität auf seinen Wirtschaftszweig umschlägt, glaubt Struck allerdings scheinbar selber nicht. Seiner Beobachtung nach haben weder das zuständige Bundeswirtschaftsministerium noch der Deutsche Industrie- und Handelstag DIHT bislang die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung erkannt.

ZDP-Geschäftsführer Klaus Germann sagt es noch klarer. Er sehe keine Chance, dass die Pfandleihe-Verordnung in absehbarer Zeit geändert wird, erklärte der Anwalt gegenüber mm-online. of