IWF Währungskonferenz von Demonstranten eingeschlossen

Tausende Demonstranten haben das Tagungszentrum der Weltwährungskonferenz in Prag umzingelt. Sie und Polizeiabsperrungen hinderten die Konferenzteilnehmer am Verlassen des weiträumig abgesperrten Kongressgeländes.

Prag - U-Bahn und Pendelbusse stellten am Nachmittag den Verkehr ein. Mitarbeiter von IWF und Weltbank rieten dringend davon ab, auf eigene Faust das Gelände zu verlassen.

Polizisten wiesen Teilnehmer zurück, die sich zu Fuß auf den Weg machen wollten. Unter den eingeschlossenen bis zu zehntausend Konferenzbesuchern waren auch zahlreiche Finanzminister und Notenbankchefs der 182 Mitgliedsländer von IWF und Weltbank.

Eine Hundertschaft Polizisten in Kampfanzügen drängte etwa 200 Demonstranten zurück, die bis unmittelbar an das auf einer Anhöhe liegende Kongresszentrum vorgedrungen waren. Bis auf einzelne Eierwürfe aus der Menge und Schlagstockhiebe von Polizisten waren hier aber keine größeren Tätlichkeiten zu beobachten.

An anderer Stelle hatte es zuvor schwere Auseinandersetzungen mit Verletzten gegeben.

Etwa 5.000 Gegner der wirtschaftlichen Globalisierung haben bereits am Dienstag nachmittag in Prag gegen die Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank demonstriert. Erwartet worden waren viermal so viele.

Begleitet von einem mindestens doppelt so starken Polizeiaufgebot zogen die Demonstranten durch die Straßen der Innenstadt. Abgesehen von der eingeworfenen Eingangstür eines Mc-Donalds-Restaurants blieb der Marsch friedlich.

Die Zahl der Demonstranten erreichte nicht die Erwartungen der Veranstalter, die mit 20.000 Teilnehmern gerechnet hatten. Das Bündnis der IWF-Gegner kritisierte die scharfen Kontrollen bei der Einreise nach Tschechien. Etwa 300 Personen wurden an der Grenze zurückgewiesen.

Die Demonstranten sammelten sich auf dem Friedensplatz (Namesti Miru) und zogen dann los, um eine Menschenkette rund um das Kongresszentrum zu bilden. Auf Transparenten hieß es in Anlehnung an die Bewegung gegen den Vietnamkrieg "Make love not trade".

Die von Kirchen, Dritte-Welt-Gruppen, linksgerichteten Organisationen und Anarchisten unterstützte Protestaktion stand unter dem Motto "Stoppt den wirtschaftlichen Terror!"

Nach den schweren Ausschreitungen bei der Welthandelskonferenz in Seattle Ende vergangenen Jahres bereiteten sich die Behörden mit einer Vielzahl von Sicherheitsvorkehrungen auf die Proteste vor. Insgesamt waren in Prag 11.000 Polizisten im Einsatz.

"Wir verurteilen diesen Versuch der tschechischen Regierung, Menschen an der Ausübung ihrer demokratischen Rechte zu hindern", sagte Alice Dvorska, Sprecherin der Initiative gegen wirtschaftliche Globalisierung.

Absperrgitter hinderten die Demonstranten am Dienstag daran, auf dem Weg zum Kongresszentrum eine Brücke zu überqueren. Eine nahegelegene U-Bahn-Station wurde geschlossen. Zahlreiche Ladeninhaber verriegelten ihre Geschäfte.