Startups Krise spitzt sich zu

Die Kündigungswelle unter den Internet-Startups in den USA hält an. In den letzten vier Wochen wurde ein neuer Jahresrekord erreicht: Die Web-Companies haben mehr Entlassungen ausgesprochen als in allen Monaten zuvor.

San Francisco - Einer Studie von Challenger, Gray & Christmas zufolge fielen der Entlassungswelle des vergangenen Monats mehr als 4800 Jobs zum Opfer. Schon im Vormonat war die Zahl von 2200 auf 4200 Kündigungen angestiegen.

In den Monaten von Dezember bis Ende Juni wurden in der amerikanischen Internet-Branche insgesamt 5400 Stellen gestrichen. "Die Dotcom-Krise verschlimmert sich", erklärte John Challenger, Chef des Unternehmens, gegenüber den "San Jose Mercury News". "Dotcom entwickelt sich zu einem regelrechten Reizwort."

Vor allem E-Commerce-Sites betroffen

Insgesamt haben seit vergangenem Jahr über 16.000 Web-Angestellte ihren Job verloren. Neben Online-Content-Companies waren vor allem auch E-Commerce-Sites betroffen. Nach Angaben von Challenger, mussten 37 von insgesamt 217 Internet-Unternehmen, die innerhalb der letzten zehn Monate ihre Belegschaft reduzierten, den Betrieb komplett einstellen.

In den letzten zehn Tagen hatten etwa auch die Suchmaschine Altavista und der amerikanische Web-Lieferservice Food.com Massenentlassungen ausgesprochen. Mit Streaming-Media-Pionier Pseudo.com musste erneut auch eine Medien-Site ihre Online-Pforten komplett schließen.

Nach sechs Jahren war das New Yorker Unternehmen aufgrund finanzieller Engpässe gezwungen, seinen Betrieb einzustellen. Das vom Gründer und Ex-Chef der Internet-Marktforschungsgesellschaft Jupiter Communications, Joshua Harris, initiierte Web-Unterhaltungsnetzwerk bediente die Generationen X und Y mit zahlreichen Musik- und Szene-Spartenprogrammen.

85 US-Internetfirmen haben Börsengang verschoben

Mit laufenden Kosten von zwei Millionen US-Dollar im Monat und nur geringen Werbeeinnahmen hatte Pseudo.com – wie so viele andere Unternehmen seit dem Dotcom-Börsen-Crash vom April – vergebens nach Investoren gesucht. Im Mai dieses Jahren hatte auch der kalifornische Online-Entertainment-Konkurrent Digital Entertainment Network offline gehen müssen.

Ein weiteres deutliches Indiz der anhaltenden Krise: Seit Januar haben Angaben der US-Marktforschungsgesellschaft Webmergers.com 85 Internet-Companies ihren geplanten Börsengang verschoben.

Jochen A. Siegle, San Francisco