Metro Kein Verkauf vor 2002

Konzernchef Körber hat den Vorstand gestrafft und neu ausgerichtet. Die Metro-Lenker sollen sich künftig vermehrt um Strategien kümmern. Die Tochterfirmen dagegen werden stärker in die Verantwortung genommen.

Düsseldorf - Es war bereits am Mittwoch durchgesickert, jetzt ist es amtlich: Der ehemalige Generalbevollmächtigte Stefan Kirsten steigt in den Metro-Vorstand auf, Wolf-Dietrich Loose und Theo de Raad verlassen das Gremium.

Der Verantwortungsbereich von Kirsten soll nun auch die Bereiche Steuern, Versicherungen und Delkredere umfassen. Bisher war der 39-jährige Kirsten für das Konzern-Controlling, die Finanzen und das Rechnungswesen zuständig.

Metro-Chef Körber, der neben seiner Funktion als Vorstandssprecher den Finanzbereich führte, wird zukünftig für Führungskräfte und Personalentwicklung zuständig sein. Zygmunt Mierdorf soll ab Oktober 2000 zusätzlich als Arbeitsdirektor der Metro agieren.

Gestraffter Vorstand soll Strategien entwickeln und Internationalisierung vorantreiben

Der umstrukturierte und verkleinerte Vorstand soll sich künftig mehr auf seine eigentlichen Aufgaben besinnen - die Strategieentwicklung, Rekrutierung von Führungskräften und stärkere Betreuung des Kapitalmarktes.

Zusätzlich sollen die Metro-Lenker die Internationalisierung vorantreiben. Der drittgrößte Handelskonzern der Welt expandiert vor allem im profitablen Cash&Carry-Geschäft.

Wie der Generalbevollmächtigte Karl-Josef Baum sagte, sieht die Metro besonders in Asien noch interessante Märkte für einen Einstieg wie Indien oder Vietnam. In China, wo die Metro mit dem Abholgroßhandel bereits präsent ist, werde man "jede Menge Märkte eröffnen". Daneben wolle man über Polen als Brückenkopf auch in Russland Fuß fassen.

Bei der ebenfalls gute Renditen erwirtschaftenden Linie Media-Markt sieht die Metro nach Baums Worten noch erhebliche weiße Flecken in Europa. Priorität hätten weitere Häuser in Polen und Spanien, überlegt würden auch Markteröffnungen in Tschechien und Portugal.

Für die Praktiker-Baumärkte und die SB-Warenhäuser der Marke real stehe die weitere Expansion in Polen, der Türkei, Österreich und Griechenland auf dem Programm. Vor allem in Deutschland gelte es bei real und den Extra-Verbrauchermärkten zu besseren Renditen zu kommen.

Vertriebslinien werden stärker in die Verantwortung genommen

Der Metro-Vorstand soll die Töchter allerdings weitgehend selbständig agieren lassen. Baum kündigt eine "denzentrale Verantwortung der Vertriebslinien" an. Nach Meinung von Beobachtern könnte dieser Schritt auch dazu, einen späteren Verkauf der Metro-Firmen zu erleichtern - über entsprechende Veräußerungen war in der Vergangenheit immer wieder spekuliert worden.

Zwar haben die Metro-Eigner kürzlich jegliche Verkaufsabsichten geleugnet - dies Dementi dürfte allerdings nur für eine begrenzte Phase gültig sein. Spätestens im Jahr 2002 könnte das Thema wieder auf die Agenda rücken; dann tritt das Gesetz zur Besteuerung von Veräußerungs-Gewinnen in Kraft, das den Verkauf lukrativer macht.

Metro-Manager Baum hat diese Einschätzung indirekt bestätigt. "Für die nächsten zwei Jahre" sei eine Abgabe der Linien nicht geplant, sagte Baum. Nach den Querelen der Vergangenheit wolle die Metro jetzt vordringlich "ein stinknormales Unternehmen" werden.