Ricardo Strategiewechsel nach hohen Verlusten geplant

Der Aktienkurs des Online-Auktionshauses ist nach Bekanntgabe hoher Verluste weiter gefallen. Die Fusion mit QXL scheint die letzte Rettung zu sein. Ob der englische Rivale den Pleitekandidaten noch will, entscheidet sich im Oktober.

Hamburg - Ricardo rutscht tiefer in die roten Zahlen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Verlust vor einmaligen Aufwendungen um mehr als das 13fache von 2,7 Millionen Mark auf 36,7 Millionen Mark. Der Verlust nach Goodwill-Abschreibungen und einmaligen Ausgaben stieg sogar auf 65,4 Millionen Mark.

Der Umsatz konnte dagegen nur um etwas mehr als das sechsfache auf 40,8 Millionen Mark gesteigert werden.

Kurseinbruch nach schlechten Zahlen

Das schlechte Unternehmens-Ergebnis ist an der Börse bereits erwartet worden, dennoch brach die Aktie erneut um über fünf Prozent ein. Derzeit notiert der Titel mit 26 Euro knapp sieben Prozent unter dem Emissionspreis. Das Jahreshoch wurde im Februar bei 222 Euro festgestellt.

Dennoch zog der Vorstand eine positive Bilanz des Geschäftsjahres und gab einen optimistischen Ausblick in die Zukunft. "Mit über 800.000 Kunden, einem Handelsvolumen von 165 Millionen Mark, einem Bekanntheitsgrad von 80 Prozent bei den Internet-Nutzern und der angestrebten Fusion mit dem britischen Online-Auktionshaus QXL.com haben wir uns eine vorzügliche Ausgangsbasis für den kommenden Wettbewerb geschaffen", sagte Vorstandschef Christoph Linkwitz. "Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Jahr."

Ricardo will künftig nicht mehr selbst mit Waren handeln, sondern nur noch als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer auftreten und dafür Provisionen und Gebühren kassieren. Das veränderte Geschäftsmodell habe im vierten Quartal des Geschäftsjahres das Wachstum gestoppt und zu leicht rückläufigen Umsätzen geführt.

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass dieser Strategiewechsel Erfolg hat und wir damit das Wachstum konsolidieren können", erklärte Linkwitz.

QXL stimmt am 2. Oktober über Fusion ab

Die Aktionäre der QXL.com stimmen am 2. Oktober 2000 während einer außerordentlichen Hauptversammlung über die vom Aufsichtsrat empfohlene Fusion mit Ricardo ab. Im Anschluss daran soll das öffentliche Tauschangebot von QXL an alle Ricardo-Aktionäre gestartet werden.

Tragende Säule des neuen Unternehmens QXLRicardo soll nach Angaben von Linkwitz das Plattformgeschäft sein, bei dem Ricardo als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer auftritt.