Microsoft Kontrahent tritt zurück

Joel Klein, US-Kartellrechtschef und erbitterter Microsoft-Gegner, hat seinen Rücktritt angekündigt. Im von ihm lancierten Kartellprozess gegen den Software-Riesen soll demnächst eine Entscheidung fallen.

Arlington - Klein, der federführend im spektakulären Anti-Kartell-Verfahren gegen Microsoft war, will sich Informationen der "USA Today" zufolge noch Ende des Monats vom US-Justizministerium verabschieden. Amerikas oberster Wettbewerbshüter hat sich als hartnäckiger Microsoft-Gegner und strenger Verfechter der Kartellrechtsbestimmungen einen Namen gemacht.

"Was getan werden musste, wurde getan", meinte der 53-jährige Anti-Trust-Chef in einem Interview. "Schon seit sieben Jahren arbeite ich nun für die Regierung. Jetzt ist Zeit für neues Blut und neue Chancen." Vorläufiger Nachfolger Kleins wird dessen langjähriger Stellvertreter Douglas Melamed. Der 54-jährige Anwalt war eng involviert in das Verfahren gegen Microsoft.

Im schwebenden Kartellprozess wird der Oberste Gerichtshof im Oktober entscheiden, ob der Fall an ein Berufungsgericht zurückverwiesen oder direkt vom Supreme Court verhandelt werden soll. Der Redmonder Software-Konzern hatte Berufung gegen das von Bundesrichter Thomas Penfield Jackson in erster Instanz gefällte Urteil eingelegt, das die Aufteilung des Konzerns wegen Verstößen gegen das US-Kartellrecht in zwei Teile vorsieht. Das US-Justizministerium drängt auf eine Verhandlung des Falls vor dem Obersten Gerichtshof, um das Verfahren zu beschleunigen.

Der Rücktritt Kleins kommt nicht überraschend. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte der Chef der Kartellabteilung seinen Posten nach der US-Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr räumen müssen.

Jochen A. Siegle, San Francisco