Sonntag, 21. April 2019

Gefühlte Inflation Deutsche misstrauen offizieller Inflationsrate

Preisauftrieb im Supermarkt: Die Preise für viele Lebensmittel sind deutlich stärker gestiegen als die amtliche Inflationsrate das ausweist

Von wegen nur 1,5 Prozent - die meisten Deutschen misstrauen der offiziellen Inflationsrate. Das wundert nicht, die Preise für Güter des täglichen Bedarfs ziehen stärker an. Die "gefühlte" Inflationsrate liegt auch deutlich höher.

Hamburg - Kommt Ihnen das bekannt vor? Der Griff nach Ihrem Lieblingsjoghurt im Kühlregal lässt Sie stutzen. Eben mal 10 Cent teurer als die Woche zuvor. Auch beim Saft hat der Supermarkt draufgeschlagen, und das Kilo Zucchini kostet Sie auch mehr. Oft sind es nur kleine Beträge, aber das läppert sich.

Bei genauerem Blick stellen Sie fest: Die zehn Cent Aufschlag für den 400-Gramm-Becher Öko-Joghurt verteuern Ihr Lieblingsprodukt mal eben um satte 7,5 Prozent. Auch bei anderen Konsumgütern kommen Sie genauer Rechnung auf deutlich mehr als jene 1,5 Prozent Teuerungsrate, um die die Preise im vergangenen Jahr angezogen sein sollen.

Sollten Sie also den amtlichen Inflationszahlen nicht trauen, sie befinden sich in bester Gesellschaft. 58 Prozent der Deutschen haben laut "Stern" das Gefühl, dass die Preise im vergangenen Jahr stärker gestiegen sind als besagte 1,5 Prozent. Lediglich 35 Prozent gaben an, dass sich ihr persönlicher Eindruck mit der offiziellen Teuerungsrate deckt.

Das nennt man "gefühlte" Inflation, und auch die ist messbar. Experten der UniCredit haben sie berechnet und beziffern sie mit 2,2 Prozent für das vergangene Jahr. Der Wert liegt damit deutlich über dem amtlich ermittelten Wert. Der Grund: Während das Statistische Bundesamt misst, wie sich die Preise für einen durchschnittlichen Warenkorb verändern, in dem auch langlebige Konsumgüter und diverse Dienstleistungen enthalten sind, berechnet sich die "gefühlte Inflation" anders.

Warenkorb hat mit täglichen Lebenswirklichkeit nicht viel zu tun

Produkte, die wir besonders oft kaufen - zum Beispiel Lebensmittel - fließen in die Berechnung stärker ein. UniCredit gewichtet Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke mit 27 Prozent, während sie in die offizielle Statistik nur zu gut 10 Prozent eingehen.

So verwundert es nicht, dass der Wert für die gefühlte Inflation bei den überdurchschnittlich stark steigenden Lebensmittepreisen höher liegt und die Konsumenten den offiziellen Inflationsdaten misstrauen.

Nach der repräsentativen Umfrage des Magazins hätten sich 80 der Verbraucher insbesondere über steigende Mieten sowie Preissteigerungen für Wasser, Strom und Gas geärgert. An zweiter Stelle folgten Kosten für den Verkehr (Auto, Bahn und Bus). Mehr als die Hälfte der Bundesbürger (56 Prozent) ärgerten sich über steigende Lebensmittelpreise.

Dass ihnen wegen der steigenden Preise weniger Geld zum Leben bleibt, sorgt 47 Prozent der Deutschen. 52 Prozent fürchten das nicht. Tatsächlich erleiden viele Beschäftigte trotz vergleichsweise niedriger Inflation immer noch Reallohnverluste - so zuletzt im dritten Quartal 2013.

rei

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