Kaufhof Handelsriese startet Portal-Offensive

Die Metro-Tochter will in ganz Europa Webportale bauen. E-Commerce-Manager Mark Frese plant Warenhäuser für Umsatzausfälle zu entschädigen, die ihnen möglicherweise durch den Internethandel entstehen.

Köln - mm online: Herr Frese, was macht Sie so zuversichtlich, dass sich ausgerechnet Teddybären und Anoraks via Internet handeln lassen? Unternehmen wie Amazon, Toys R Us, Boo.com oder Etoys Deutschland sind damit gescheitert...

Mark Frese: Die Käufer von Spielzeug sind in der Regel sehr markenorientiert, und sie suchen gezielt nach bestimmten Produkten. Wer im Internet die richtigen Marken für eine klar definierte Zielgruppe anbietet, wird Erfolg haben. In den USA wurden im vergangenen Weihnachtsgeschäft 300 Millionen Dollar mit Spielwaren umgesetzt. Das ist doch sehr ordentlich.

mm online: Der Online-Verkauf von Bekleidung ist aber nach Meinung von Experten besonders schwierig: Die Käufer können die Produkte nicht vorher anfassen und anprobieren.

Frese: Textilien sind die in den USA mit am stärksten wachsende Kategorie im Internethandel. Wenn die Kunden die angebotenen Waren grundsätzlich kennen, bestellen sie gerne im Web. Wir richten gezielt Markenshops ein; daher können sich die Kunden ein Bild von den Produkten machen. Wenn sie im Kaufhof-Geschäft ein bestimmtes Adidas-T-Shirt angesehen und anprobiert haben, werden sie möglicherweise ein anderes T-Shirt im Internet bestellen.

mm online: Wieso führen Sie dann den Spielzeug-Shop nicht unter der bekannten Marke "Kaufhof"?

Frese: Wenn wir die Spielwarenabteilung von Galeria Kaufhof im Internet abgebildet hätten, würde der Auftritt wohl tatsächlich "Galeria-Kaufhof-Spielwarenabteilung.de" heißen. Wir haben aber mit Zebralino etwas Neues geschaffen; einen Shop, der sich an die Zielgruppe der Eltern richtet - und zusätzlich zu den Produkten nützliche Informationen bietet. Daher ist es sinnvoll, eine neue Marke zu kreieren.

mm online: Konkurrent Karstadt ist mit einem Shop unter dem Phantasienamen "My World" gescheitert. Wie wollen Sie aus dem No-Name Zebralino eine Marke machen?

Frese: Soeben ist eine Printkampagne gestartet, die unter anderem im "Stern" und in "TV Movie" läuft. Überdies werden die Warenhäuser die Marke bekannt machen. In 36 Filialen gibt es Promotions. Verschiedene Häuser werden Zebralino-Terminals aufstellen. An denen können sich die Kunden informieren und Produkte bestellen, die sie im Geschäft nicht finden. Die unter Zebralino bestellte Ware lässt sich übrigens auch in den Kaufhof-Häusern umtauschen.

mm online: Fast alle virtuellen Spielzeug-Shops werben mit Billigpreisen. Sie auch?

Frese: Viele Web-Shops, die behaupten, dass sie günstig sind, führen nur einige Lockvogelangebote. Wir werden über das gesamte Sortiment hinweg ein konkurrenzfähiges Preisniveau haben. Darüber hinaus können wir in Aktionen bestimmte Produkte besonders günstig anbieten.

mm online: Somit kann es passieren, dass die Produkte im Zebralino-Shop günstiger angeboten werden als in den Häusern. Werden die Kaufhaus-Manager angesichts solcher Aussichten tatsächlich bereit sein, Web-Terminals in ihren Läden aufzustellen?

Frese: Wir haben in der Tat lange mit den Warenhaus-Managern darüber verhandelt, wie wir sie für mögliche Umsatzausfälle entschädigen. Sie werden Sondervergütungen erhalten - beziehungsweise an den Umsätzen beteiligt werden, die über die vor Ort aufgestellten Terminals ablaufen.

mm online: Wie hoch wird der Umsatzanteil sein, den Zebralino den Kaufhäusern wegschnappt?

Frese: Ich gehe grundsätzlich nicht davon aus, dass der Web-Handel den Warenhäusern Marktanteile wegnimmt, im Gegenteil. Die Terminals in den Häusern werden Umsätze in den Kaufhäusern initiieren. Überdies wird mit Hilfe von Zebralino der Kaufhof-Marktanteil in den entsprechenden Segmenten insgesamt vergrößert. Und dass wir uns nicht falsch verstehen: Die Internetstrategie des Kaufhof ist im Unternehmen nicht umstritten. Alle Manager sind einhellig der Meinung, dass wir aggressiv die Möglichkeiten des Internetvertriebs nutzen müssen.

mm online: Auch bei den Shop-Lieferanten müssen Sie wohl viel Überzeugungsarbeit leisten. Playmobil-Hersteller Geobra Brandstätter will Ihren Shop nicht beliefern. Das Unternehmen behauptet, gegen seinen Willen auf der Zebralino-Page gelandet zu sein...

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