Donnerstag, 18. Juli 2019

Drohende Prokon-Pleite Die Gier der Anleger

Prokon-Werbung in der Hamburger U-Bahn: Seriös geht anders

75.000 Menschen bangen um ihr Geld, weil sie auf die Renditeversprechen des Ökounternehmens Prokon reingefallen sind. Schon fordern Verbraucherschützer und Politiker strengere Regeln. Dabei haben die betroffenen Anleger in erster Linie selbst Schuld.

Hohe Renditen einstreichen und dabei noch die Umwelt retten: Das war das Versprechen des Windkraftfinanzierers Prokon. Endlich, so schien es, ließ sich ein grünes Gewissen mit fetten Zinsen vereinbaren - und das Ganze mit minimalem Risiko, wie das Unternehmen warb. Für das ökologisch bewegte Bürgertum ging ein Traum in Erfüllung.

Das Angebot klang so toll, dass 75.000 Menschen ihr Geld in sogenannte Genussscheine investierten, im Schnitt legte jeder von ihnen 20.000 Euro an. Nun steht das Unternehmen vor der Pleite und die Anleger vor der Frage, wie sie bloß so naiv sein konnten.

Da war zum einen das absurd hohe Renditeversprechen: In Zeiten, in denen es auf das Tagesgeldkonto kaum ein Prozent Zinsen gab, warb Prokon mit nahezu risikolosen Renditen bis zu acht Prozent. Jeder, der sich schon mal ansatzweise mit Geldanlage beschäftigt hat, hätte da stutzig werden müssen. Denn höhere Zinsen bedeuten immer auch ein höheres Risiko. Alles andere ist Unsinn.

Doch so genau wollten es die Prokon-Anleger offenbar gar nicht wissen. Sonst hätten sie vielleicht etwas ausführlichere Informationen verlangt - etwa zu der Frage, wie sicher ihr Geld bei Genussscheinen wirklich ist oder wie Prokon es schaffen wollte, seinen Anlegern so hohe Zinsen zu zahlen. Hinterfragt haben das die Wenigsten. Mit ihrer Geldanlage befassen sich viele Deutsche eben immer noch deutlich oberflächlicher als mit dem Kauf einer neuen Digitalkamera.

Und dann war da noch dieses aufdringliche Marketing: In der U-Bahn, zwischen Pfandhausplakaten und Aufrufen zu Medikamentenstudien priesen die Prokon-Macher ihr Produkt an. Seriös geht anders.

Gier frisst Hirn

Muss man Anleger also vor ihrer eigenen Dummheit schützen, wie Politiker und Verbraucherschützer nun fordern? Wo der Verbraucher überfordert sei, müsse der Staat eingreifen, meint etwa der neue Bundesminister Heiko Maas.

Das ist keineswegs logisch. Ein bisschen Verantwortung sollte man den Bürgern auch bei der Geldanlage noch zumuten. Klar ist: Unternehmen dürfen nicht betrügen. Aber ob Prokon das getan hat, ist bislang noch völlig offen. Sicher, man könnte Firmen wie Prokon, die im sogenannten Grauen Kapitalmarkt ihr Geld einsammeln, mehr Transparenz vorschreiben. Aber mal ehrlich: Selbst wenn Prokon ausführlichere Informationen zu seinen Geschäften bereitgestellt hätte - wer hätte sich die Papiere durchgelesen? Wer liest die stapeldicken Unterlagen, die er nach jedem Beratungsgespräch von seiner Bank bekommt?

Die Fadenscheinigkeit der Prokon-Versprechen war mit Händen zu greifen - und seit Monaten Thema in unzähligen Medienberichten. Vieles spricht dafür, dass die meisten Prokon-Anleger ziemlich sorglos den hohen Zinsen hinterhergerannt sind. Oder leiht man sonst jemanden 20.000 Euro, der einen in der U-Bahn anschnorrt?

Gier frisst Hirn. Solche Fälle gibt es immer wieder. Manchmal steckt Betrug dahinter, wie beim Phoenix Kapitaldienst in den neunziger Jahren oder in den Achtzigern beim Hamburger Hochstapler Jürgen Harksen, der seinen Kunden Renditen von 1300 Prozent versprach. Oft genug gehen die Anleger auf der Suche nach höherer Rendite aber auch einfach ein höheres Risiko ein - und das heißt nun mal, dass das Investment auch schiefgehen kann. Davor kann und muss der Staat niemanden schützen.

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