Euro Aktienmärkte geraten unter Druck

Bisher konnten sich die Anleger fast immer darauf verlassen: War der Euro schwach, ging es den Aktienmärkten gut. Doch seit einigen Tagen sind auch die Börsen ins Trudeln geraten.

Prag - Ende vergangener Woche rutschte der Dax erstmals seit längerem unter 7000 Punkte und setzte den Trend auch Anfang der Woche fort. Am Dienstag verlor er bis zum späten Nachmittag rund fünf Punkte auf 6886 Zähler.

Zugleich macht der Euro mit immer neuen Tiefständen von sich Reden. Am Dienstag rutschte er sogar zeitweise unter die Marke von 85 Cent.

Als Hauptursache für die schwächelnden Aktienmärkte nennen Analysten den Ölpreisanstieg. Aber auch dem ohnehin schon schwachen Euro bekommt er nicht gut.

Schrumpfende Gewinne belasten die Aktienkurse

Die Angst vor sinkenden Gewinnmargen vieler Unternehmen durch den gestiegenen Ölpreis mit dämpfenden Folgen für die Weltkonjunktur verunsichert die Märkte derzeit, da sind sich die Experten einig.

Zugleich müssen die Konsumenten mehr für Energie ausgeben und haben weniger Geld für sonstige Ausgaben in der Tasche, sagt Achim Matzke, Analyst bei der Commerzbank. Bei anhaltend hohem Ölpreis bestehe die Gefahr von Zweitrundeneffekten.

Die Unternehmen könnten versuchen, die gestiegenen Kosten auf die Verbraucher umzuwälzen. Dies alles dämpfe die Stimmung an den Märkten.

Analysten erwarten ein Anziehen der Kurse

Rolf Schneider von der Dresdner Bank weist darauf hin, dass die Weltwirtschaft zwar mittlerweile weniger abhängig vom Ölpreis ist, sollte der Preis aber dauerhaft über 30 Dollar je Barrel liegen, werde ein halber Prozentpunkt weniger Wachstum weltweit eintreten.

Nach Einschätzung Schneiders werden die Risiken derzeit allerdings überbetont. Zum einen werde mit einem Rückgang des Ölpreises auf 22 bis 28 Dollar im kommenden Jahr gerechnet. Zudem habe sich der Ölpreisanstieg in Deutschland in etwa durch das Plus bei den Exporten dank des schwachen Euros 1999 und voraussichtlich auch in diesem Jahr ausgeglichen. Auch entwickele sich die Binnenkonjunktur im Euro-Raum gut.

Nach Einschätzung von Markus Dörr von der Deutschen Bank sollten die Aktienmärkte wieder anziehen, wenn sich Ölpreise und Euro stabilisieren. Dann würden die längerfristigen Fundamentaldaten wieder mehr wahrgenommen. Und da sehe es gar nicht so schlecht aus.

Im Euroland werde ein relativ gutes Gewinnwachstum erwartet. Reformen würden angegangen und bei einer Stabilisierung von Euro und Ölpreis könne auch an der Inflationsfront Entwarnung gegeben werden.

Ölpreis belastet Euro zusätzlich

Der Ölpreis belastet jedoch nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch den ohnehin schon schwachen Euro. Denn durch den starken Dollar werden die Ölkosten in Euroland immer höher. Die Märkte hätten nach wie vor Zweifel an einem dauerhaften gesunden Wachstum in der Eurozone, sagt Schneider. Wegen des hohen Ölpreises bestehe die Sorge, dass sich die Konjunktur abkühle, was aus Sicht der Märkte neben anderen Gründen zusätzlich ein Argument gegen eine Geldanlage in Euro sein könnte.

Nach Einschätzung von Bernd Weidensteiner von der DG Bank kommt hinzu, dass angesichts des "vielstimmigen Chors" in der Eurozone zu wichtigen Themen wie Ölpreis, Osterweiterung und Euro nicht gerade der Eindruck eines koordinierten Vorgehens entstehe.

Dies verbessere das Image der Gemeinschaftswährung nicht unbedingt. Weitere Tiefstände des Euros wollte Weidensteiner nicht ausschließen.

IWF warnt vor den Gefahren der Euro-Schwäche

Auch auf der IWF-Herbsttagung in Prag sind die Gefahren für die Weltwirtschaft durch Euro-Schwäche und Ölpreisanstieg ein zentrales Thema. IWF-Chefökonom Michael Mussa befürchtet Einbrüche der sonst "glänzenden" Weltwirtschaft.

Bundesfinanzminister Hans Eichel warnte vor Gefahren für deutsche Unternehmen durch den Absturz des Euro. Die Wirtschaft laufe Gefahr, im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren, sagte Eichel laut einem vorab verbreiteten Manuskript für eine Rede Eichels in Frankfurt.

Devisenhändler bekräftigten ihre Argumente für den Abwärts-Trend des Euro. Die europäischen Volkswirtschaften seien im Vergleich zu amerikanischen noch nicht stark genug. Das Einzige, was die Gemeinschaftswährung derzeit beflügle, seien die schwächelnden Aktienmärkte in New York und Tokio, sagten Händler. Händler verkauften ihre Yen- und Dollar-Papiere.

Nach Ansicht des IWF ist der gegenwärtige Kurs des Euro hingegen "signifikant" fehlbewertet. Der Kursentwicklung stehe ein "robuster Aufschwung" gegenüber, teilte der Fonds mit. IWF-Ökonom Mussa sagte: "Das ist bisher mehr eine Peinlichkeit als ein Problem." Er ermahnte die Europäische Zentralbank zu einer flexiblen Politik, die auch auf die Risiken einer möglichen deutlichen Aufwertung des Euro vorbereitet sein müsse.