Gigabell Börse "keine Einbahnstraße"

Das erste Insolvenzverfahren am Neuen Markt wird von Experten als "heilsames" Lehrstück für den privaten Anleger gesehen. Investoren sollten sich auf weitere Pleiten vorbereiten.

Frankfurt am Main - Die drohende Pleite der Gigabell AG könnte sich nach Einschätzung der DG Bank als "heilsamer Schock" für den Neuen Markt erweisen. "Das tut dem Neuen Markt nicht weh und wird eher einen positiven Effekt haben. Hoffentlich ist es für viele auch ein heilsamer Schock", sagte der Neue-Markt-Experte Uwe Wulf.

Hohes Risiko am Neuen Markt

Vor allem Privatanlegern müsse deutlich werden, dass "Börse keine Einbahnstraße" mit garantierten Gewinnen sei. "Leute, die jetzt viel Geld verlieren, haben schlechte Karten gezogen. Das ist sicher ganz bitter", betonte Wulf. Aktionäre hätten jedoch die Pflicht, sich über die Unternehmen zu informieren, an denen sie sich beteiligen.

Entscheidend sei jedoch, dass gerade der Neue Markt mit seinen mehr als 300 Gesellschaften "ein Risikomarkt" sei. Pleiten seien zwangsläufig. "Man muss kein großer Rechner sein, um zu wissen, dass andere folgen", sagte Wulf.

Qualitätssicherung in der Kritik

Obwohl auch die DG Bank am Börsengang des Frankfurter Telekommunikationsspezialisten Gigabell beteiligt war, weist das Institut jede Verantwortung von sich. Die DG Bank habe zwar im Konsortium gesessen, aber nicht die Führung gehabt. "Dann kann man auch nicht ganz tief in die Bücher gucken. Das dürfen nur die Konsortialführer", so Wulf. Dennoch müssten Banken und die Deutsche Börse darüber nachdenken, ob die Qualitätsstandards neu diskutiert werden müssten.

Die Gigabell-Pleite beschäftigt auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe). "Da gucken wir uns natürlich an, wie die Dinge gelaufen sind", sagte BAWe-Präsident Georg Wittich.

Die Behörde interessiere sich vor allem dafür, ob Gigabell rechtzeitig die Anleger über die Schieflage informiert hat. Außerdem prüfe die Aufsicht, ob vor dem Insolvenzantrag noch größere Aktienbestände verkauft worden seien.