Börse heute "Dax kann jederzeit kippen"

Gestützt von hohen Kursgewinnen bei EON und Münchener Rück hat der deutsche Aktienmarkt mit einem kleinen Plus geschlossen. Händler sahen in der Konsolidierung lediglich eine "Verschnaufpause".

Frankfurt am Main - Der Dax beendete den Handel am Dienstag bei 6937 Punkten um 0,7 Prozent fester; nachdem der Index die erste Tageshälfte im Minus stand. Der Nemax-50 büßte um 1,2 Prozent auf 5588 Zähler ein. Der M-Dax kletterte minimal um 0,09 Prozent auf 4872 Stellen.

"Der Dax kann jederzeit kippen", sagte ein Händler. Bei einem Durchbrechen der wichtigen Unterstützungslinie bei 6800 Punkten könnte der Dax nach Ansicht von Marktteilnehmern abstürzen. "Das Umfeld ist alles andere als stabil", sagte ein Börsianer. Der anhaltend hohe Ölpreis und der schwache Euro seien nach wie vor starke Belastungsfaktoren.

"Hellt sich das Umfeld nicht auf, droht der Dax nach unten zu schießen", sagte ein Händler. Auslöser könnte neben einem Nachgeben der Nasdaq ein weiterer möglicher Anstieg des Ölpreises sein. Bei der Nasdaq sahen Marktteilnehmer derzeit eine wichtige Unterstützung bei 4000 Punkten. "Wenn der US-Markt wegknackt, dann geht es auch bei uns wieder bergab", prognostizierte ein Händler.

Münchener Rück und EON gefragt

Münchener Rück schoben sich im späten Handel an die vorderste Linie der Dax-Werte. Händler führten den Kursgewinn von 4,3 Prozent auf 322,79 Euro auf eine technische Erholung zurück; nachdem der Wert durch die Neugewichtung an den Euro-Stoxx-Indizes unter Druck geraten war.

Auch EON lagen hoch in der Gunst der Anleger. Gerüchte über Allianzen und die Übernahme der Tankstellen-Tochter Aral trieben den Kurs um 4,2 Prozent hoch auf 54,94 Euro. DaimlerChrysler verloren 0,83 Prozent auf 54 Euro.

BMW stiegen dagegen um 2,9 Prozent auf 37,97 Euro. Der Münchener Autohersteller hatte am Montag mitgeteilt, er erwarte für das laufende Jahr im gewöhnlichen Geschäft ein Rekordergebnis von über 1,3 Milliarden Euro.

Hightechs unter Druck

Allianz stiegen nach wieder aufgekommenen Gerüchten über einen Einkauf unter amerikanischen Vermögensverwaltern. Zum Sitzungsende lagen die Titel bei 368,90 Euro um 1,2 Prozent höher.

Am unteren Ende des Liste lagen adidas-Salomon-Papiere, die mit 60 Euro notierten. Das entsprach einem Kursrückgang von 3,5 Prozent. Anleger nahmen innerhalb der letzten zwei Handelsstunden die Gewinne der vergangenen Wochen mit. Auch Technologietitel im Dax wurden abgestoßen. Epcos verloren 3,8 Prozent auf 97,20 Euro; Siemens notierten mit 171,61 Euro um 1,9 Prozent leichter.

New York: Nasdaq im Plus; Dow behauptet

Der Nasdaq lag zu Börsenschluss in Frankfurt mit 2,1 Prozent im Plus bei 3805 Punkten. Der Dow Jones notierte zeitgleich um 0,1 Prozent tiefer auf 10.793 Zähler.

Jeff Warantz, Aktienstratege bei Salomon Smith Barney, sagte, es sei kein Wunder, wenn die Geschäftsaktivitäten ein wenig abnähmen. Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank habe nicht ohne Grund die Leitzinsen in den Jahren 1999 und 2000 um insgesamt 150 Basispunkte angehoben. Das Konzept, die Wirtschaft bremsen zu wollen, habe eine gewisse Bedeutung und sei keine Luftblase, sagte Warantz weiter.

Zu den Verlierern im Dow Jones zählten zur Tagesmitte die Aktien von Alcoa, dem weltgrößten Hersteller von Aluminium. Das Unternehmen hatte eine Gewinnwarnung für das dritte Quartal heraus gegeben. Alcoa teilte mit, hohe Energiekosten und eine geringere Nachfrage hätten sich negativ auf das Geschäft ausgewirkt. Die Aktien von Alcoa sanken um 4,7 Prozent.

Euro: Leicht erholt

Der Euro konnte sich von seinem Rekordtief am Morgen von 0,8477 Dollar erholen. Die Gemeinschaftswährung wurde am Abend mit 0,8521 Dollar gehandelt. Ein Dollar war damit 2,2952 Mark wert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Euro-Referenzkurs auf 0,8541 (Montag: 0,8526) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2899 (2,2939) Mark.

Edelmetalle: Gold leichter

Die Feinunze Gold zeigte sich am Dienstag etwas leichter. Zuletzt wurde die Unze für 272,50 Dollar gehandelt. Die Goldhändler blickten heute mit Spannung auf den weiteren Versteigerungstermin der Bank of England (BoE). Bei ihrer 8. Goldauktion hat die Bank of England 25 Tonnen Gold zum Preis von 270,60 Dollar je Feinunze versteigert. Insgesamt hatte die Notenbank für die 803.600 angebotenen Feinunzen Gold, Gebote über 2,1 Millionen Feinunzen erhalten.