Geldpolitik Bernanke drosselt die Geldflut - Dow Jones klettert auf Rekordhoch

Die US-Notenbank Fed dreht minimal am Geldhahn und schraubt das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 85 auf 75 Milliarden US-Dollar zurück. Börsianer sprechen von einem eher symbolischen Schritt. Die US-Börsen erklimmen Rekordstände.
Fed-Chef Ben Bernanke, Nachfolgerin Janet Yellen: Die Fed drosselt die Geldzufuhr ein wenig - pumpt aber immer noch 75 Milliarden Dollar pro Monat in den Geldkreislauf

Fed-Chef Ben Bernanke, Nachfolgerin Janet Yellen: Die Fed drosselt die Geldzufuhr ein wenig - pumpt aber immer noch 75 Milliarden Dollar pro Monat in den Geldkreislauf

Foto: Charles Dharapak/ AP

New York - Die US-Notenbank drosselt überraschend schon ab Januar ihre milliardenschweren Konjunkturhilfen. Wie die Federal Reserve (Fed) am Mittwoch mitteilte, wird das Ankaufprogramm für Staatsanleihen und Immobilienpapiere zunächst um zehn Milliarden auf 75 Milliarden Dollar pro Monat verkleinert. Viele Börsianer sprachen von einem symbolischen Schritt.

Die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Entscheidung. Zuletzt wurde immer wieder befürchtet, dass es wegen des nahenden Ausstiegs aus der Politik des billigen Geldes zu größeren Verwerfungen kommen könnte. Die Fed versicherte quasi als Trostpflaster, dass sie den Leitzins von derzeit nahe null Prozent auch bei einer weiteren Verbesserung am Arbeitsmarkt noch länger niedrig halten wird.

Bernankes letzter Streich - Geldflut gedrosselt, Börsen steigen dennoch

Am US-Aktienmarkt legte der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) am Mittwoch um 1,8 Prozent zu und schloss auf Rekordnivau. Auch an der Technologiebörse Nasdaq ging es nach oben. Der Nikkei in Tokio kletteret am Donnerstag um 1,5 Prozent.

Fed-Präsident Ben Bernanke sagte bei seiner voraussichtlich letzten großen Pressekonferenz, er habe sich eng mit seiner Nachfolgerin Janet Yellen abgestimmt, der jetzigen Vize-Chefin. "Sie unterstützt die Fed-Maßnahmen voll." Der Ende Januar scheidende Bernanke ergänzte, bei einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftslage könne die Fed bei jeder Zinssitzung das Volumen schrittweise absenken. "Das würde dann bis weit ins kommende Jahr so gehen."

Experten rechnen damit, dass noch bis zu 500 Milliarden Dollar investiert werden. Das entspricht in etwa drei Prozent der Wirtschaftsleistung der USA.

Viele Ökonomen und Marktstrategen sagten, sie hätten erst nach dem Stabswechsel von Bernanke auf Janet Yellen mit diesem Schritt gerechnet. Es handele sich aber nur um eine moderate Reduzierung.

Keine Zinswende in Sicht

Die Fed betonte, die Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft würden selbst dann niedrig bleiben, wenn die Arbeitslosenquote unter den angepeilten Wert von 6,5 Prozent fallen sollte. Mit den Mini-Zinsen soll sich die Wirtschaft schneller erholen und die Unternehmen dazu bewegt werden, mehr Jobs zu schaffen. Und die Medizin wirkt: So war die Arbeitslosenquote zuletzt auf 7,0 Prozent gefallen, hat sich also der Zielmarke angenähert. Zudem ist ein drohender Haushaltsnotstand in Washington durch einen Kompromiss im Kongress vorerst abgewendet. Dieser hätte die USA erneut an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht und die Wirtschaft stark belastet.

Die Fed hält den Leitzins bereits seit rund fünf Jahren nahe null Prozent - eine Reaktion auf die globale Finanzkrise, der später auch die Notenbanken in Europa und Japan gefolgt sind. Bernanke gab sich selbstkritisch: "Ich habe die Krise nicht schnell genug erkannt", räumte er ein.

Fed-Bilanz ist aufgebläht

Die lockere Geldpolitik hat aber auch ihre Schattenseiten. So hat Bernanke mit den enormen Geldspritzen die Fed-Bilanz auf fast vier Billionen Dollar aufgebläht. Das Gesamtvolumen der aufgekauften Wertpapiere habe die eigenen Erwartungen übertroffen, so Bernanke. Kritiker warnen, dass mit der Geldschwemme die Gefahr einer erhöhten Inflation gelegt wird. Außerdem könnte es wieder zu Preisblasen kommen. Schon die globale Finanzkrise startete 2007 mit massiven Verwerfungen am US-Immobilienmarkt.

Bislang ist die Inflation aber niedrig. Bernanke betonte, die Aussichten für die Preissteigerungen seien ein weiterer Grund dafür, dass die Fed an den Konjunkturstützen festhalte. Die Notenbank strebt einen Zielwert von zwei Prozent an, der jedoch mit 1,1 Prozent im Oktober deutlich verfehlt wurde. Die Fed rechnet zudem mit einer weiteren Entspannung am Jobmarkt. Bis Ende 2014 dürfte die Arbeitslosenquote auf 6,3 bis 6,6 Prozent fallen.

la/je/dpa-afx/rtr
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