PwC Helfer im Web

Nicht als Totengräber, sondern als Helfer der Startups will sich der Prüfer profilieren: Er hat jetzt das Siegel "Better Web" vorgestellt, mit dem sich vorbildliche Internet-Shops schmücken dürfen. Programm-Manager Andreas Borcherding zu den Zielen.

Hamburg/Frankfurt am Main - mm online: Herr Borcherding, macht es nicht einen sonderbaren Eindruck in der Öffentlichkeit, wenn PricewaterhouseCoopers (PwC) erst mit sogenannten "Todeslisten" Misstrauen gegenüber Internetfirmen schürt - und sich jetzt als Web-Saubermann präsentiert, der gute Unternehmen mit Gütesiegeln adelt?

Borcherding: Den Begriff "Todesliste" haben wir nie verwendet, und wir schüren auch kein Misstrauen. Ganz im Gegenteil. In der von Ihnen angesprochenen Studie haben wir die Erfolgsfaktoren des Internet-Geschäfts analysiert - und herausgefunden, dass sechs von sieben Unternehmen keine Liquiditätsprobleme aufweisen. Die Medien haben sich leider nur auf das verbleibende Siebtel gestürzt.

mm online: Mit dem "Better Web"-Programm wollen Sie nun diesen Anteil noch senken ...

Borcherding: Mit unserem globalen "Better Web"-Programm helfen wir Internetfirmen, primär aus dem B2C-Bereich, kundenfreundliche Web-Shops zu entwickeln. Derlei Web-Läden können bei den Kunden die Hemmschwellen senken, die der Bestellung häufig noch im Wege stehen. So wirken wir darauf hin, dass sich das Vertrauen ins Web vergrößert und sich die Situation für alle Beteiligten verbessert.

mm online: Was für Voraussetzungen muss ein Unternehmen erfüllen, um sich mit dem "Better Web"-Logo schmücken zu dürfen?

Borcherding: Sein Internetauftritt muss bestimmten Standards für Verkaufsbedingungen, Datenschutz, Sicherheit und Kundenreklamationen entsprechen. Wir haben viele Informationsquellen herangezogen, um diese Kriterien praxisorientiert festzulegen, beispielsweise Ergebnisse aus der Konsumentenforschung.

mm online: Die Web Shop-Betreiber, die den PwC-Kriterien entsprechen, mögen kundenfreundlich sein. Ob sie aber auch die Lieferlogistik und die internen Prozesse in den Griff bekommen, ist offen.

Borcherding: Unser Siegel bestätigt, dass die damit ausgezeichneten Internetshops bestimmte Anforderungen an die Zusammenarbeit mit den Kunden erfüllen. Tatsächlich bestehen hier häufig Defizite. Mit weitergehenden Fragen des so genannten "Fulfilment" beschäftigen sich andere Einrichtungen, die eigene Prüfsiegel vergeben. Die US-Wirtschaftsprüfer haben zum Beispiel das "Webtrust"-Siegel entwickelt; es belegt, dass das damit versehene Unternehmen seine internen Prozesse internetgerecht organisiert hat.

mm online: Droht nun eine Inflation der Prüfsiegel?

Borcherding: Die Zahl der Siegel nimmt in der Tat zu. In den USA gibt es bereits mehr als zehn Qualitätssiegel unterschiedlicher Anbieter. Auch in Deutschland wurde mittlerweile eine Reihe von Gütezeichen etabliert, unter anderem von der Einrichtung Trusted Shops und dem Gerling-Konzern sowie vom EuroHandelsinstitut EHI. Dazu kommen noch viele selbst kreierte Logos einzelner Web-Shop-Betreiber.

mm online: Sorgt ein weiteres Logo von PwC somit nicht eher für Verwirrung als für Orientierung?

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