Börse heute Kranich flog allen davon

Getragen von der Nasdaq und US-Konjunkturdaten hat der deutsche Aktienmarkt fester geschlossen. Größte Gewinner waren Lufthansa und die T-Aktie, die von der anstehenden Höhergewichtung im Dax profitierte.

Frankfurt am Main - Der Dax hat am Donnerstag mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent bei 7048 Punkten geschlossen. Der Nemax-50 kletterte um 0,5 Prozent auf 6012 Zähler. Der M-Dax verabschiedete sich mit einem Zugewinn von 1,09 Prozent bei 4936 Stellen.

Der Dax habe die 7000-Punkte-Marke erfolgreich verteidigt, kommentierte ein Händler. Der Markt habe dieses Niveau nach einem Rückgang von zuletzt rund 400 Zählern getestet. Jetzt habe eine leichte Gegenbewegung eingesetzt.

Marteilnehmern zufolge hat zudem der dreifache Verfallstermin am Freitag seine Schatten vorausgeworfen, der noch für einige Volatilität. Einige Anleger seien in Erwartung weiter fallender Kurse wohl auf dem falschen Fuß erwischt worden und hätten sich eindecken müssen, hieß es.

Lufthansa im Aufwind

Auch die um 14.30 Uhr gemeldeten US-Konjunkturdaten zu den Erzeugerpreisen und den Einzelhandelsumsätzen im August hatten für Auftrieb im Dax gesorgt und ihn seine Gewinne weiter ausbauen lassen. Die Daten ließen vermuten, dass der Zinserhöhungszyklus in den USA abgeschlossen sei. Die US-Wirtschaft kühle sich ab und ein Inflationsproblem gebe es auch nicht.

Die Kursgewinner im Dax wurden von der Lufthansa-Aktie angeführt, die um 5,2 Prozent auf 23,95 Euro zulegte. Das Unternehmen habe sich gegen den hohen Ölpreis gut abgesichert, deshalb werde es in nächster Zeit auch keine Preiserhöhungen geben. Das sei sehr positiv, bemerkte ein Teilnehmer. Weiterhin wurde eine technische Erholung für die Aufschläge verantwortlich gemacht. Außerdem profitiere das Papier von der möglichen Übernahme des Paketdienstes DHL durch die Deutsche Post. Die Lufthansa ist zu 25 Prozent an DHL beteiligt.

T-Aktie profitiert von höherer Dax-Gewichtung

Vor dem Hintergrund der Dax-Umgestaltung, die am Montag wirksam wird, gewann die T-Aktie 1,6 Prozent auf 43 Euro. Ihre Höhergewichtung im Dax scheine die Herabstufung bei der Stoxx-Anpassung zum Teil aufzuwiegen, hieß es. Auch Fresenius Medical Care gelten als Gewinner der Dax-Anpassung, der Wert rückte um 2,6 Prozent auf 102,22 Euro vor.

Ebenfalls im Plus notierten die Hightechs, die von der anhaltend guten Stimmung für diese Titel auch in den USA Rückenwind erhielten. SAP verbesserten sich um 1,5 Prozent auf 276 Euro und Siemens um 1,4 Prozent auf 178 Euro. Lediglich Infineon gaben 1,3 Prozent auf 63,20 Euro ab. Die Patentklage von Rambus habe einige Anleger verunsichert, hieß es. Ebenfalls zu den Kursverlierern gehörten E.ON, die gut drei Prozent auf 54,30 Euro nachgaben.

Hapag und Club Med drücken Preussag

SAP profitierten mit einem Plus von zuletzt 1,5 Prozent auf 276 Euro von den freundlichen US-Vorgaben. Auch Siemens-Aktien stiegen 1,5 Prozent auf 178 Euro. Der Konzern baut seinen Entwicklungsstandort Salzgitter aus. Die Belegschaft soll auf 200 Mitarbeiter verdoppelt werden.

Preussag schlossen mit einem Verlust von zwei Prozent bei 37,99 Euro und waren damit der größte Dax-Verlierer. Händlern zufolge belastet der am Mittwoch verschobene Börsengang der Preussag-Tochter Hapag Lloyd. Ein Sprecher der Preussag hatte mitgeteilt, dass der Anteilsverkauf in Höhe von 49 Prozent aus steuerlichen Gründen verschoben wurde. Zudem habe eine Warnung des französischen Club Med, dass die Gewinne geringer ausfallen könnten, den Kurs belastet, hieß es auf dem Parkett.

Infomatec mit Kurssprung

Am Neuen Markt sprangen Infomatec um 55 Prozent auf 5,27 Euro. Das Unternehmen aus dem Neuen Markt konnte den Makler Lang & Schwarz Financial Services als Betreuer verpflichten. Mit Börsenschluss gab das Unternehmen bekannt, dass auch der zweite Betreuer mit der Future Securities AG gefunden ist. Ob der Abstieg des Unternehmens in den Geregelten Markt so verhindert werden kann, wollte Jörg Schwarz von Lange & Schwarz nicht festschreiben: "Selbst wenn zwei Sponsoren da sind, wird noch die Deutsche Börse entscheiden."

Dow runter, Nasdaq rauf

Nach der Bekanntgabe von günstigen US-Konjunkturdaten und mit Kursgewinnen bei Technologieaktien zeigt sich Wall Street uneinheitlich. Der Dow Jones weitete seine Verluste aus und verlor bis gegen 21.20 MESZ 0,6 Prozent auf 11.116 Punkte. Der Nasdaq zog dagegen deutlich um ein Prozent auf 3935 Zähler an. Zu den US-Konjunkturdaten sagt ein Analyst: "Die Erzeugerpreise waren über Erwarten gut und der Markt reagiert entsprechend darauf, da eine mögliche Zinsanhebung mehr und mehr in die Ferne rückt."

Euro leicht erholt

Der Euro erholte sich leicht: Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittag auf 0,8693 (Mittwoch: 0,8654) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 2,2499 (2,2600) Mark. Die Ankündigung von Devisenverkäufen durch die Europäische Zentralbank (EZB) sorgte jedoch nur kurzfristig für eine deutliche Erholung des Euro, später fiel die Währung wieder ab.

Gold droht weiterer Kursrückgang

Die Feinunze Gold zeigte sich am Donnerstag erneut etwas leichter. Am Abend wurde die Unze für nur noch 272,55 Dollar gehandelt. Damit konnte sich der Goldpreis nicht entscheidend von der wichtigen Marke bei 270 Dollar entfernen. Sollte auch dieser Widerstand brechen, drohen sogar Kursrückgänge bis in den Bereich von 256 Dollar. Dies war der Tiefstkurs im Jahre 1999. Silber wurde etwas fester bei 4,88 Dollar gehandelt.