Depotgebühren Banken fordern "sittenwidrige" Entgelte

Bei einem Wechsel zum Direktbroker müssen Sparkassen- und Bankkunden oft überteuerte Gebühren zahlen. Anleger sollten die Zahlung verweigern, raten Verbraucherzentralen.

Düsseldorf - Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einer Reihe von Banken und Sparkassen vorgeworfen, abtrünnige Kunden regelrecht zu bestrafen. Oft würden "sittenwidrig überteuerte" Entgelte für die Übertragung von Wertpapier-Depots zu anderen Instituten verlangt.

So habe eine Bank aus dem Rheinland einem Kunden, der mit seinem Aktiendepot zu einer Direktbank wechselte, für jede Position 30 Mark plus Mehrwertsteuer berechnet. Das sei das Dreifache dessen, was das Institut sonst pro Depotposition fürs ganze Jahr berechne. Die Bank steht den Angaben zufolge mit ihrem Verhalten nicht alleine da: Mehrere Institute erhielten eine Rüge.

Derartige "Strafgebühren" seien sittenwidrig, weil "zwischen Leistung und Gegenleistung ein deutliches Missverständnis" bestehe, betonte Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale. Er empfahl Betroffenen, die Forderungen nicht klaglos zu akzeptieren.

Die Erfahrung beweise, dass viele Banken das Entgelt reduzierten, "wenn die Kunden sich hartnäckig weigern zu zahlen". Andernfalls bleibe nur der Weg vors Gericht. Dies sei wegen des Prozessrisikos allerdings nur für Anleger mit einer Rechtsschutz-Versicherung zu empfehlen.

Die Banken reagierten mit den hohen Gebühren auf die zunehmende Beweglichkeit von Anlegern im Börsenboom. So wechseln viele derzeit nach Angaben Strubes mit ihren Depots zu Direktbanken. Anlegern riet der Experte, vor der Einrichtung eines Depots das komplette Preisverzeichnis eines Instituts genau zu prüfen.

Grundsätzlich müssten Banken und Sparkassen die Gebühren laut der Preisauszeichnungs-Verordnung in ihren Preisverzeichnissen aufführen. Fehlt der Hinweis auf die Depotübertragung, sollten die Kunden die Zahlung ablehnen, raten die Verbraucherschützer.