Spritpreise "Sollen wir auch noch demonstrieren?"

Auf die Empörung Millionen deutscher Autofahrer über steigende Benzinpreise reagieren die Ölkonzerne mit Unschuldsbeteuerungen.

Hamburg - "An den Steuern kann man was ändern, am Dollar und Rohölpreis jedoch nicht", sagte Olaf Martins von der Esso AG zur harten Kritik an der Branche nach der jüngsten Preiserhöhung.

Während der Ton im politischen Streit um die Öko-Steuer immer schärfer wird, sind sich die großen Gesellschaften einig: Für die Erhöhung des Benzins am Vortag um vier Pfennig je Liter und fünf Pfennig je Liter für Diesel sei die Branche nicht verantwortlich zu machen.

Ölkonzerne verteidigen Preiserhöhung

"Sollen wir vielleicht auch noch demonstrieren?", fragt Rainer Winzenried, Pressesprecher der Deutschen Shell in Hamburg. Die Preiserhöhung liege weit unter dem, was eigentlich erforderlich sei. Außerdem gehe der Druck für höhere Preise auch von den Mittelständlern im Tankstellengeschäft aus, sagt Winzenried. "Natürlich klingt es mitleidserregender, wenn ein Bauer klagt."

Als "betriebsnotwendige Maßnahme" bezeichnet Harald Graeser Sprecher der DEA, die Anhebung der Preise. "Ich kann mir schon vorstellen, dass unsere Entscheidung nicht populär ist, aber die Preise können wir nicht beeinflussen." Mit einer Provokation der Politik und einem Anheizen des Öko-Steuer-Debatte habe die Anhebung der Preise nichts zu tun.

Marge von sieben Pfennig

Von 2,10 Mark je Liter gehen zurzeit etwa 1,40 Mark Steuern und Abgaben ab, erläutert Rainer Wiek vom Erdöl-Energie-Informationsdienst in Hamburg. Auf dem Produktmarkt in Rotterdam müssen die Ölfirmen als Einkaufspreis derzeit ungefähr 63 Pfennig für den Liter Benzin bezahlen. Die verbleibenden sieben Pfennig sind die Marge für den Rohölkonzern. Davon müssten unter anderem Pächterprovision, Logistik und Marketing bezahlt werden. "Um einen Gewinn zu machen, müssten die Gesellschaften die Preise noch ein Mal um vier bis sechs Pfennig erhöhen", sagte Wiek.

Erst im August hatte das Bundeskartellamt die deutschen Mineralölkonzerne in der Preisgestaltung gebremst, um den Mittelstand zu schützen. Damals schrieb die Behörde den Unternehmen strikte Regeln für die Verkaufspreise an ihren Raffinerien vor. Sie dürfen jetzt nicht mehr über den Preisen der eigenen Tankstellen liegen.

Weitere Preiserhöhungen wahrscheinlich

Damit sollte ein ruinöser Preiskrieg in der Branche beendet werden, den die DEA im März mit ihrer Rabattkarte "Payback" ausgelöst hatte. Von den Folgen hat sich der Markt bis heute nicht erholt und die Verluste der Branche in diesem Jahr dürften inzwischen mehr als eine Milliarde Mark betragen.

Erleichterung haben die gestiegenen Kraftstoffpreise daher lediglich bei den Mittelständlern und den freien Tankstellen hervorgerufen. "Die Erhöhung ist uns sehr willkommen", sagt Stephan Zieger, Geschäftsführer vom Bundesverband freier Tankstellen (BfT). Der Preiskampf am Benzinmarkt sei enorm: "Einige Firmen gehen pleite und unsere Preise sind im Moment nicht Kosten deckend", sagte Zieger. Die aktuelle Debatte empfindet Zieger als "irrational, aber verständlich."

Autofahrer müssen vermutlich auch in den kommenden Monaten weiter mit Benzinpreiserhöhungen rechnen. "Ob der Höchststand schon erreicht ist, lässt sich im Moment nicht sagen", sagt Graeser. Auch bei Shell hofft man auf eine Verbesserung: "Einen genauen Zeitpunkt festzulegen wäre jedoch Kaffeesatzleserei", betont Winzenried. Hoffnung bestehe jedoch für das vierte Quartal dieses Jahres.