"Netzzeitung" Will im Internet Qualität bieten

Früher als geplant steht die "Tageszeitung ohne Papier" im Internet. Die "Netzzeitung" will sich mit Qualitätsjournalismus von anderen Online-Nachrichtenangeboten abheben.

Berlin - Die "Netzeitung"-Verantwortlichen kommen aus Norwegen und haben dort mit der Ausgabe "Nettavisen" einen Erfolg hingelegt. Knut Ivar Skeid will ihn in Deutschland wiederholen. "Was uns vom herkömmlichen Nachrichtenangebot unterscheiden soll, ist die journalistische Qualität. Denn die anderen stellen nicht die eigentliche Story ins Internet, dort findet man nur eine abgespeckte Version", sagt Skeid, der vom Geschäftsmodell Qualitätsjournalismus im Internet überzeugt ist.

Keine prominenten Schreiber, aber ein bekannter Chef

Wenn das so ist, dann stellen prominente Schreiber sicher die wichtigste Voraussetzung für Qualität dar. Die weist das ausführliche Impressum jedoch noch nicht aus. Dafür hat man einen prominenten Chef gefunden: Michael Maier (42), erfolgreicher Chefredakteur der "Berliner Zeitung" bis Ende 1998 und weniger erfolgreich einige Monate an der Spitze des "Stern".

Doch Maier steht noch nicht im Impressum der "Netzzeitung" (www.netzzeitung.de). "Sein Vertrag beginnt erst am 1. Oktober, er schließt noch eine wissenschaftliche Arbeit in Jerusalem ab und solange führe ich die Redaktion und die Geschäfte", erklärt Skeid.

Zwei Jahre betrage der Vorsprung in Skandinavien, wo die Internet-Nutzung schon bei 50 Prozent liege. "Hier in Deutschland sind es deutlich weniger und nach dem Ende des Internet-Booms an der Börse im März dieses Jahres haben manche erleichtert aufgeatmet und gedacht, sie können zur alten Tagesordnung zurückkehren - Irrtum."

Für traditionelle Zeitungen sieht Skeid das Ende nahen. Sie würden von digitalen Datenströmen abgelöst, die den Kunden überall, wo der sich gerade aufhält, auf den verschiedensten Wegen erreichen.

Statt einer Kannibalisierung gibt es Ping-Pong-Effekte

Ganz so alarmierend sehen das Experten nicht und auch die derzeitige Entwicklung spricht nicht dafür: In den USA, berichten Verleger freudestrahlend, dass die neuen Medien den traditionellen Zeitungen und Zeitschriften nicht nur nichts wegnehmen, sondern neue Leser zuführen. So gewinnt die "New York Times" derzeit wöchentlich 1700 Abonnenten allein durch ihre Online-Präsenz.

Der Experte der Papierindustrie, Günter Schneider, Direktor für Market Research der Stora-Unternehmensgruppe, sieht zwischen klassischen Printmedien und Neuen Medien einen "Ping-Pong-Effekt": "Printmedien ermuntern zum Internet-Einstieg und das Internet inspiriert zum Zeitungs- und Zeitschriftenlesen."

Insbesondere eine der beiden wirtschaftlichen Grundlagen - die Werbeeinnahmen - sieht Schneider so langfristig sogar gestärkt.