Post Zumwinkel hat DHL-Mehrheit im Visier

Der Gelbe Riese will die privaten Zusteller FedEx und United Parcel Service angreifen. Presseberichten zufolge spekuliert Post-Chef Klaus Zumwinkel auf die Mehrheit beim weltgrößten Expressdienstleister DHL.

Tokio/Bonn - Die Deutsche Post AG hat Japan Airlines (JAL) eine Offerte über deren sechsprozentigen Anteil an DHL unterbreitet. Sein Konzern habe das Angebot im Juli erhalten und werde dieses noch in diesem September erwidern, bestätigte JAL-Sprecher Geoffrey Tudor.

Damit verdichten sich Hinweise darauf, dass Postchef Klaus Zumwinkel - ein ehemaliger McKinsey-Berater - eine Mehrheitsbeteiligung am weltgrößten Expressdienstleister DHL anstrebt.

Die Post, die bereits 25 Prozent an DHL hält, wolle weitere 29 Prozent übernehmen, berichtet die "Financial Times". Der Kauf umfasse nicht nur das sechsprozentige Paket der Japaner, sondern auch die Anteile zweier Investmentfonds der Westdeutschen Landesbank.

Der Zeitung zufolge könnte die Übernahme innerhalb der nächsten zehn Tage bekannt gegeben werden. Die Übernahme müsse bis spätestens Ende September abgeschlossen und verkündet sein, hieß es. Ansonsten könne der Prospekt für den geplanten Börsengang Anfang November nicht rechtzeitig fertig werden.

Der Deal, der mit 22 Milliarden Euro (etwa 42,9 Milliarden Mark) bewertet wird, würde den Staatsriesen in einen schwergewichtigen Konkurrenten für private Zusteller wie FedEx und United Parcel Service verwandeln. Die Post wollte den "FT"-Bericht nicht kommentieren.

Weitere 21 Prozent würden zudem möglicherweise von dem DHL-Management und der Gründerfamilie des Unternehmens übernommen, schreibt die "FT" weiter. Die restlichen 25 Prozent an DHL hält die Lufthansa, mit der die Post bereits eine Zusammenarbeit im Luftfrachtbereich beschlossen hat.

Am Mittwoch hatte das "Handelsblatt" ebenfalls über eine geplante Erhöhung der Anteile der Deutschen Post an DHL berichtet. Die Post hatte diese Meldung bereits nicht kommentieren wollen und den Bericht als "Spekulation" bezeichnet. Auch ein Sprecher von Lufthansa Cargo hatte eine Stellungnahme abgelehnt.

DHL gilt als renditestarkes Logistikunternehmen und käme der Post-Strategie entgegen, das Logistikgeschäft zu stärken. Dabei würde auch der hohe Gewinnanteil der Briefsparte von bislang 95 Prozent auf rund 50 Prozent verringert, hatte Zumwinkel angekündigt.