Spritpreise Demos in Großbritannien brechen zusammen

In Großbritannien gaben die ersten Protestler "als moralische Sieger" ihre Sprit-Blockaden auf. Dafür geht es in Hannover los: Hier wollen Spediteure und Taxifahrer die Innenstadt lahmlegen.

Hannover/London - Eine Gruppe protestierender Briten hat am Donnerstagmorgen das Ende der Blockade der Erdölraffinerie Stanlow angekündigt. "Wir geben nach. Wir sind die moralischen Sieger", sagte Brynle Williams, der Sprecher der Protestierenden. Er rief die anderen Demonstranten im ganzen Land auf, ihre Blockaden ebenfalls zu beenden.

Demos in Hannover und Magdeburg

Unterdessen sind Spediteure, Bauern und Taxifahrer in die Innenstadt von Hannover unterwegs. Nach Angaben der Polizei werden 500 Fahrzeuge für den Protestzug zum niedersächsischen Landtag erwartet. Vor dem Landtag von Sachsen-Anhalt in Magdeburg werden mehrere hundert Fahrzeuge erwartet.

Die Fernfahrer fordern die Abschaffung der Ökoabgabe und eine deutliche Senkung der Kraftfahrzeugsteuer. Die Bauern wollen einen niedrigeren Steuersatz beim Agrardiesel und eine Aussetzung der dritten Stufe der Ökosteuer erreichen. Seit vergangenem Wochenende gab es bereits Proteste in Celle, Uelzen, Schwerin und München.

Die Grenzübergänge in Aachen und Eupen sind weiterhin von belgischen Lastwagen-Fahrern blockiert. Ihr Protest geht heute in den dritten Tag.

Versorgungslage in Großbritannien kritisch

Wegen des Spritmangels mussten bereits die ersten Schulen schließen, Operationen in Krankenhäuser wurden aufgeschoben, auch die Auslieferung der Post ist gefährdet. Sogar Begräbnisse müssen möglicherweise aufgeschoben werden, weil Leichenwagen keinen Sprit mehr haben, wie Bestattungsunternehmen warnten.

Am Abend schlug auch der britische Blutspendedienst Alarm. Die Regierung versetzte Tankwagen der Armee in Bereitschaft, um nötigenfalls dringend benötigte Treibstofflieferungen zu übernehmen. Oppositionsführer William Hague forderte, das Parlament aus der Sommerpause zu einer Dringlichkeitssitzung zurückzurufen.

Premierminister Tony Blair hatte zuvor seine harte Haltung gegenüber den Fernfahrern bekräftigt, die mit ihren Blockaden gegen die hohen Spritpreise demonstrieren. Die Aktionen gefährdeten jetzt auch Menschen, sagte Blair. Es werde nicht hingenommen, dass die Protestierer mit diesen Mitteln eine Änderung der Politik zu erzwingen versuchten, erklärte er.