Samstag, 20. April 2019

Selbstmord des CFO Untersuchung entlastet Zurich und Ackermann

Zurich-Gebäude: "Wir sind noch immer zutiefst betroffen"

Eine Untersuchung der Schweizer Finanzmarkt-Aufsicht bringt Entlastung für den Schweizer Versicherungskonzern Zurich und dessen ehemaligen Präsidenten Josef Ackermann. Finanzchef Pierre Wauthier sei vor seinem Selbstmord nicht unter unangemessenen Druck gesetzt worden, heißt es.

Zürich - Finanzchef Pierre Wauthier sei vor seinem Selbstmord nicht unter ungebührlichen oder unangemessenen Druck gesetzt worden, fasste Zurich am Montag eine von der Schweizer Finanzmarkt-Aufsicht Finma in Auftrag gegebene Untersuchung zusammen.

Der 53-jährige Wauthier war am 26. August tot an seinem Wohnort am Zuger See aufgefunden worden. In einem Abschiedsbrief warf er Präsident Josef Ackermann vor, er habe ihn unter Druck gesetzt. Ackermann nahm drei Tage später seinen Hut als Verwaltungsratschef. Eine Mitverantwortung für Wauthiers Tod wies der ehemalige Deutsche-Bank-Chef von sich.

Der Versicherer beauftragte daraufhin den Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) und die auf Wirtschafts- und Steuersachen spezialisierte Zürcher Anwaltskanzlei Homburger, die Umstände des Selbstmords zu untersuchen, wie Reuters von Insidern erfuhr. Sie befragten Mitarbeiter und durchforsteten Dokumente und Geschäftskorrespondenz auf der Suche nach Hinweisen, ob Wauthier unter übertriebenem Druck stand.

"Wir sind noch immer zutiefst betroffen und traurig über den Verlust von Pierre Wauthier und können uns seine Beweggründe für den tragischen Entschluss nicht erklären", betonte Ackermanns Nachfolger Tom de Swaan. Das respektvolle Miteinander nehme auf allen Ebenen des Unternehmens einen sehr hohen Stellenwert ein.

Diskussion um Darstellung der Finanzkennzahlen

Die Untersuchung sei auch der Frage nachgegangen, ob die Finanzkennzahlen des Konzerns angemessen dargestellt worden seien. Auch hier stellen die Prüfer Zurich ein gutes Zeugnis aus. Die Untersuchung konnte keine Unregelmäßigkeiten oder Abweichungen von den regulatorischen und buchhalterischen Vorgaben feststellen, hieß es in der Mitteilung. Der Bericht lag nicht vor.

Der Selbstmord und der abrupte Abgang des Präsidenten erschütterten Zurich. Konzernchef Martin Senn hatte versicherte, es gebe keine Verbindung zwischen den Ereignissen und der finanziellen Entwicklung des Versicherers. Wie Reuters von Insidern erfahren hat, hatten sich zwischen Ackermann und Wauthier Spannungen aufgebaut.

Bei einem Gespräch mit Wauthier am Tag vor der Quartalsberichterstattung Mitte August bestand Ackermann Insidern zufolge auf einer letzten Änderung in den Präsentationsunterlagen: Der allgemeine Geschäftsausblick für 2013 wurde vorsichtiger formuliert. Zurich setzte Fragezeichen hinter die mittelfristigen Ziele für zwei der drei Geschäftsbereiche. Neue Ertragsziele will Konzernchef Senn den Investoren am 5. Dezember präsentieren.

la/reuters

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