Deutsche Bank Bekommt den Zuschlag für J.P.Morgan nicht

Das US-Investmenthaus J.P.Morgan wird verkauft. Den Zuschlag erhält aber nicht, wie spekuliert, der deutsche Branchenprimus, sondern der US-Konkurrent Chase Manhattan. Der Kaufpreis: 36 Milliarden Dollar.

New York - Chase Manhattan wird J.P. Morgan & Co für 36 Milliarden Dollar in Aktien übernehmen. Dieser Transaktion hätten die Boards beider Gesellschaften inzwischen zugestimmt, meldet Dow Jones Newswires am Mittwoch unter Berufung auf Kreise, die mit dem Vorhaben vertraut seien.

Details könnten bereits heute in den USA veröffentlicht werden. Die neue Großbank soll unter dem Namen "J.P. Morgan Chase" firmieren.

Der Name J.P. Morgan hat auch in deutschen Unternehmens- und Finanzkreisen einen guten Klang. Zahlreiche Firmen lassen sich von den US-Investmentbankern beraten. So organisierten die New Yorker die US-Notierung der Veba-Aktie an der Wall Street. Mit Kurt Viermetz sitzt ein ehemaliges J.P.-Morgan-Führungsmitglied im Vorstand der HypoVereinsbank.

Mit der Fusion entstünde ein "Finanz-Titan" mit einem kombinierten Vermögen von 675 Milliarden Dollar, der demnach nur noch von Citigroup mit Aktiva über 800 Milliarden und Bank of America mit 680 Milliarden Dollar übertroffen würde, heißt es. Den Kreisen zufolge soll jede J.P. Morgan-Aktie gegen 3,7 Anteile von Chase getauscht werden. Zu aktuellem Kurs würden damit die Titel der J.P. Morgan mit ungefähr 196 Dollar je Aktie bewertet werden.

Bigger is better

Chase Manhattan hatte bereits seit längerem Interesse an einer Wall-Street-Investmentfirma gezeigt. Marktgerüchten zufolge stand auch eine Übernahme des J.P.-Morgan-Konkurrenten Merrill Lynch zur Debatte.

Auch J.P. Morgan sei in Verhandlungen mit einem Konkurrenten gewesen. Geplant wurde eine Fusion mit Donaldson, Lufkin & Jenrette - bis dieser New Yorker Investmentbanker in der vergangenen Woche von Credit Suisse gekauft wurde.

Bankanalysten bewerten den Zukauf als normale Folge eines Wettrennens zwischen den Großbanken weltweit. Nach dem Motto "Bigger is better" vergrößerten sich derzeit die Institute rund um den Globus per Akquisition - und dabei will keiner den Anschluss verlieren.

Ziel ist es, noch mehr Kundengruppen in den USA und in anderen Regionen zu erschließen und sich neue Techniken einzukaufen.

Erst in der vergangenen Woche hatte Chase-Konkurrent Citigroup die Übernahme der Finanzgruppe Associates First Capital angekündigt. Dieser Zusammenschluss mit einem Volumen von 31,1 Milliarden Dollar dürfte im Wert von der aktuellen Fusion noch übertroffen werden.

Deutsche Bank hätte nicht so gut gepaßt

"Wir sind nicht sicher, wer hier die Fusion zwischen beiden Häusern angestoßen hat", heisst es in US-Händlerkreisen. "Wir wissen aber, dass Chase besser zu J.P.Morgan passt als die Deutsche Bank. Hier werden zwei weltweit bekannte Namen zusammen gespannt."

Immerhin handelt es sich um zwei US-Finanz-"Heiligtümer": zwei der ältesten Banken in den Staaten - für J.P. Morgan gehen 150 Jahre Unabhängigkeit zu Ende -, entstanden aus dem Erbe der Ostküsten-Öl- und Bahn-Barone des 19. Jahrhunderts John D. Rockefeller and J. Pierpont Morgan.

Chase: Kaufwütig

Die J.P. Morgan-Übernahme ist der bislang größte Zukauf einer sonst nicht um Akquisitionen verlegenen Chase Manhattan. Die New Yorker kauften erst im Dezember den Westküsten-Banker Hambrecht & Quist für rund 1,35 Milliarden Dollar.

Im Mai griffen sie bei Beacon zu, einer auf Fusionsberatung spezialisierten New Yorker Bank.

Danach holten sie sich Robert Fleming Holdings, einen der letzten noch unabhängigen britischen Handelsbanken und Fondsverwalter, für 7,7 Milliarden Dollar in bar und Aktien.

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