Außenhandel Exportwirtschaft hat Billionengrenze im Visier

Der niedrige Euro heizt die Exportwirtschaft an. Dieses Jahr soll die magische Grenze von einer Billion Mark Umsatz erreicht werden. Der starke Dollar hat aber auch Nachteile: Der Ausfuhrüberschuss schrumpft.

Frankfurt am Main - Besonders die Automobilindustrie mit ihrem hohen Auslandsanteil profitiert vom anhaltend niedrigen Kurs des Euro. Maschinenbau und Elektroindustrie schreiben ein Drittel der zusätzlichen Exporte dem günstigen Wechselkurs zu. Auch die Chemie beurteilt den schwachen Euro überwiegend positiv.

Bereits in den ersten sieben Monaten 2000 summierten sich die Warenausfuhren der deutschen Wirtschaft auf 660,3 Milliarden Mark, 16,3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Neben der Euroschwäche hat vor allem die florierende Konjunktur in der Eurozone dazu beigetragen.

Die Autobauer haben ihre Ausfuhren allein USA in diesem Jahr um rund 20 Prozent steigern können. "Der schwache Euro ist dabei nur ein Grund, aber er verschafft uns erheblichen Rückenwind", sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Kunibert Schmidt. Insgesamt zwei Drittel der heimischen Autoproduktion gehen in den Export, ein Fünftel davon in den Dollar-Raum.

Im Maschinenbau wuchs das Auslandsgeschäft von Januar bis Juli real um 26 Prozent. "Knapp zehn Prozentpunkte davon gehen auf das Konto des Euro", sagt der Konjunkturexperte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Herbert Kriegbaum. "Es ist klar, dass uns der Euro auf allen Märkten hilft", betonte er.

Die Chemieindustrie stimmt in den Chor ein. "Die Verkaufsbedingungen in den Dollar-Raum haben sich klar verbessert", sagt Volkswirt Axel Angermann vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Allerdings kämen die positiven Effekte keineswegs allen Firmen zugute. Außerdem gebe es auch "ein weinendes Auge", da die Branche wegen des starken Dollar deutlich mehr für Rohstoff- und Ölimporte zahlen müsse.

Die Elektroindustrie, die mitten im stärksten Aufschwung seit dem Vereinigungsboom der frühen neunziger Jahre steht, rechnet in diesem Jahr mit einem zehnprozentigen Umsatzplus. Rund drei Prozentpunkte davon gehen nach Einschätzung der Branche auf das Konto des Euro.

Angesichts der günstigen Prognosen ist bereits absehbar, dass die Bundesrepublik 2000 erstmals einen Exportwert von mehr als einer Billion Mark erreichen wird. Steigenden Ausfuhren steht allerdings auch ein deutlich größerer Importwert gegenüber.

In den ersten sieben Monaten kletterten die Einfuhren um 20,1 Prozent auf 591,9 Milliarden Mark. Unter dem Strich schrumpfte damit der Ausfuhrüberschuss in der Handelsbilanz von 74,9 auf 68,4 Milliarden Mark.