Andersen Consulting Weg vom Klischee

Der Beratungsriese muss sich nach jahrelangem Streit mit der Wirtschaftsprüfung Arthur Andersen einen neuen Namen suchen. Deutschland-Chef Thomas Köhler zu den Kosten der Neubenennung, zu möglichen Börsenplänen und zur neuen Recruiting-Kampagne.

mm.de:

Herr Köhler, Ihr Unternehmen muss künftig auf die Marke Andersen Consulting verzichten. Wie hoch ist der Schaden, der Ihnen dadurch entsteht?

Köhler: Die Marke Andersen Consulting besteht nicht nur aus unserem Namen. Sie besteht auch aus unserer Identität als Dienstleister, unserem Ruf bei den Kunden. An all diesen Dingen ändert sich nichts. Die Höhe des Schadens entspricht daher maximal den Kosten der Werbekampagne, mit der wir unseren neuen Namen bekannt machen müssen. Für Deutschland rechnen wir dabei mit zusätzlichen Marketingausgaben von gut 20 Millionen Mark für die nächsten drei Jahre.

mm.de: Steht der neue Name bereits fest?

Köhler: Nein, wir arbeiten mit Hochdruck daran. Ich hoffe, dass der neue Name eines ausdrücken wird: Dass Andersen Consulting bereits seit langem mehr macht als nur Consulting. Insofern stellt die Namensänderung auch eine Chance dar, um unsere Bezeichnung an die veränderte Realität unseres Geschäfts anzupassen.

mm.de: Was hat sich denn geändert?

Köhler: Wir arbeiten zum Beispiel immer seltener auf der Basis von Tageshonoraren, wie bei anderen Beratern üblich. Stattdessen übernehmen wir für unsere Kunden lieber den kompletten Aufbau neuer Geschäftsbereiche und lassen uns dann am betriebswirtschaftlichen Erfolg dieser neuen Aktivitäten beteiligen. Mit dem Begriff "Consulting" ist dieses Geschäftsmodell nur unzureichend beschrieben.

mm.de: Bislang gehört Andersen Consulting den weltweit knapp 1300 Partnern.

Mit der Trennung von Arthur Andersen ist für Ihr Unternehmen erstmals auch ein Börsengang in den Bereich des Möglichen gerückt. Werden Sie diese Option nutzen?

Köhler: Mir ist nicht bekannt, dass wir bei Andersen Consulting jemals eine Investition nicht getätigt haben, weil uns das Kapital dafür fehlte. Insofern stellt sich die Frage nach dem Sinn eines Börsengangs.

Aber es ist richtig, das Thema Börsengang steht auf der Tagesordnung für unsere weltweite Partnerversammlung im Oktober. Wenn sich dort eine Mehrheit für einen Börsengang abzeichnet, könnte es in der Tat zu entsprechenden Schritten kommen. Bei solch wichtigen Fragen müssen allerdings üblicherweise mindestens 80 Prozent der Partner zustimmen.

mm.de: Brauchen Sie einen Börsengang, um qualifizierte Mitarbeiter mit Aktienoptionen an das Unternehmen zu binden?

Köhler: Unsere Fluktuationsrate ist in den letzten Jahren von knapp 10 auf knapp 15 Prozent angestiegen. Darüber sind wir nicht froh, aber im Vergleich zu anderen Beratungsunternehmen ist der Wert nicht wirklich Besorgnis erregend. Auch ohne Börsengang haben wir bereits viel getan, um auf den gestiegenen Wettbewerb am Personalmarkt zu reagieren. Wir haben zum Beispiel den Zugang zur Partnerschaft beschleunigt. Wirkliche Überflieger können es bei uns in neun Jahren vom Hochschulabsolventen zum Partner schaffen. Außerdem starten wir am 28. September eine groß angelegte Rekrutierungskampagne, in die wir einen deutlich siebenstelligen Betrag investieren werden.

mm.de: Eine neue Kampagne so kurz vor dem Namenswechsel. Macht das Sinn?

Köhler: Mit der Kampagne hätten wir schon vor einem Jahr starten müssen. Aber im Ernst: Wir werden in der Kampagne vor allem auf eine neue Recruitingsite unter der Adresse www.andersberaten.com hinweisen.

Diese Web-Adresse wird auch nach der Namensänderung gültig bleiben. Die Kampagne unserer Agentur Impiric soll vor allem das Klischee vom Unternehmensberater korrigieren: ehrgeiziger Krokodilkofferträger mit 80-Stunden-Woche und kaputtem Privatleben.

mm.de: Hat Andersen Consulting im Personalmarkt ein Imageproblem?

Köhler: Ein Imageproblem nur insofern, als die Beliebtheit von Andersen Consulting als Arbeitgeber bei den deutschen Hochschulabsolventen nicht die Spitzenwerte erreicht, die wir aus anderen europäischen Ländern gewohnt sind. Andersen Consulting wird von den Absolventen nicht als das junge Unternehmen wahrgenommen, das wir in Wirklichkeit sind. Das muss sich ändern. Wir wollen mit unserer Kampagne in Deutschland in das Feld der zehn beliebtesten Arbeitgeber aufrücken.