Merck Kein Tamagotchi-Effekt mehr

Der Chemie- und Pharmakonzern kann nur noch ein gedrosseltes Wachstum vorweisen, bleibt aber weiterhin auf Ertragskurs.

Darmstadt - Schimpftiraden gen Bonn: Der Vorsitzende der Merck-Geschäftsführung, Hans Joachim Langmann, nutzte am Donnerstag die Herbstkonferenz seines Unternehmens, um kräftig gegen die geplante Ökosteuer zu wettern. Diese Abgabe gefährde die Rentabilität wichtiger Bereiche der Chemieindustrie. Zumindest energieintensive Prozesse müßten deshalb dauerhaft von der Energiesteuer befreit werden. Schon jetzt würden einige Produkte "an der Rentabilitätsgrenze" hergestellt, sagte Langmann.

Für sein Unternehmen rechnet Langmann trotz gedrosselten Wachstums in diesem Jahr mit einem Vorsteuergewinn über dem Vorjahresniveau. In den ersten neun Monaten dieses Jahres habe die Merck-Gruppe einen Gewinn vor Steuern von 754 Millionen Mark erzielt (plus 18,8 Prozent). Beim Umsatz habe sich der Chemie- und Pharmakonzern hingegen mit einem Wachstum von 3,1 Prozent auf 6,1 Milliarden Mark zufriedengeben müssen. Bereinigt um die Effekte der Währungsabwertungen in Fernost habe der Umsatz aber um fünf Prozent zugelegt. Für die übrigen drei Monate erwartet Langmann keine nennenswerten Zuwächse.

Das wichtigste der drei Merck-Standbeine, die Pharmaproduktion, steigerte nach Angaben des Merck-Chefs den Umsatz bis Ende September um 3,4 Prozent auf 3,52 Milliarden Mark. Dabei legte der Verkauf von sogenannten Nachahmer-Medikamenten, bei denen der Patentschutz abgelaufen ist, mit 28 Prozent am stärksten zu. Einer der wichtigsten Märkte für den Pharma-Bereich bleiben nach Langmanns Angaben die USA. Bei den verschreibungspflichtigen Medikamenten, deren Umsatz um ein Prozent gesunken sei, hofft Merck auf die Zulassung von sogenannten Betablockern gegen Herzschwäche. Die Umsatzerwartungen lägen hier im dreistelligen Millionenbereich.

Die Asienkrise hat nach Langmanns Angaben vor allem dem Bereich Spezialchemie zugesetzt. Die ausschließlich in diesem Raum angesiedelten Abnehmer von Flüssigkristallen seien wegen der wirtschaftlichen Turbulenzen zurückhaltender gewesen. "Auch hatten wir in diesem Jahr nicht mehr den Tamagotchi-Effekt", sagte der Merck-Chef mit Blick auf den großen Flüssigkristallbedarf für das 1997 boomende elektronische Kinderspielzeug. Das Wachstum der Spezialchemie, die außerdem noch die Herstellung von Farbpigmenten und Elektronik-Chemikalien für die Chip-Herstellung umfaßt, habe deshalb bis Ende September nur bei 1,2 Prozent gelegen."