Bundesbank Keine Sensation

Die Deutsche Bundesbank bleibt hart und senkt ihre Leitzinsen nicht.

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bundesbank ist hart geblieben und hat sechs Wochen vor dem Start des Euro keinen geldpolitischen Kurswechsel vollzogen. Trotz der dritten Senkung der US-Leitzinsen innerhalb von zwei Monaten entschied der Zentralbankrat der Bundesbank am Donnerstag, die Notenbankzinsen in Deutschland nicht zu verändern.

Am Frankfurter Bankenplatz sorgte dieser Beschluß nicht für Überraschung: Angesichts des wiederholten Votums von Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer gegen eine Zinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt hatte kaum jemand mit einer Sensation gerechnet.

Auch für die kommenden Sitzungen des Zentralbankrates wird nicht mehr mit einer Änderung des entscheidenden "dritten Leitzinses" von derzeit 3,3 Prozent gerechnet. Zu diesem Satz versorgt die Bundesbank die Kreditwirtschaft wöchentlich mit Zentralbankgeld. Zuletzt war der "dritte Leitzins" im Oktober 1997 um 0,3 Punkte heraufgesetzt worden. Die Experten in den Zentralen der Frankfurter Großbanken gehen davon aus, daß der aktuelle Geldmarktsatz von 3,30 Prozent Anfang Januar auch der erste gemeinsame Zinssatz für die elf Euro-Teilnehmerländer sein wird.

Der Zentralbankrat entschied auf der ersten Sitzung nach dem Antrittsbesuch von Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine, die beiden nächsten Wertpapierpensionsgeschäfte wiederum als sogenannte Mengentender mit einem Festzins von 3,30 Prozent auszuschreiben. Keine Veränderung gab es auch bei den Leitzinsen Diskont und Lombard, die seit April 1996 bei 2,5 und 4,5 Prozent stehen.

Der Beschluß, trotz der extrem niedrigen Teuerung vorhandene Spielräume für eine Zinssenkung nicht zu nutzen, dürfte nach Einschätzung von Experten durch die aktuelle Entwicklung der Geldmenge erleichtert worden sein. Nach Angaben der Bundesbank hat das Wachstum der Geldmenge M3 im Oktober wieder an Fahrt gewonnen, liegt allerdings noch in dem für 1998 angepeilten Zielkorridor.

M3 übertraf im Berichtsmonat Oktober ihren Durchschnittsstand vom vierten Quartal 1997 mit einer hochgerechneten Jahresrate von 5,3 Prozent, nach 4,9 und 4,7 Prozent in den beiden Vormonaten. Zu M3 zählen der Bargeldumlauf, Sichteinlagen und Termingelder bis vier Jahre sowie Spareinlagen. Die Entwicklung von M3 gilt für die Bundesbank-Volkswirte als wichtigster Kompaß für die Zinspolitik, weil sie von einem starken monetären Wachstum auf mögliche Inflationsgefahren schließen.