Fed-Protokolle US-Notenbank uneins über Ende des billigen Geldes

Ein klares Signal der Fed für einen Abbau ihrer Konjunkturstützen bleibt aus. Aus den Protokollen der Zinssitzung von Ende Juli geht kein Zeitplan hervor, ab wann die Geldspritzen gedrosselt werden sollen: Die Notenbanker sind sich über den richtigen Zeitpunkt nicht einig.
Fed-Chef Ben Bernanke: Derzeit pumpt die Fed 85 Milliarden US-Dollar pro Monat in den Markt. Die 12 Mitglieder des Offenmarktausschusses sind sich nicht einig darüber, wann der Einstieg in den Ausstieg beginnen soll

Fed-Chef Ben Bernanke: Derzeit pumpt die Fed 85 Milliarden US-Dollar pro Monat in den Markt. Die 12 Mitglieder des Offenmarktausschusses sind sich nicht einig darüber, wann der Einstieg in den Ausstieg beginnen soll

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New York/Frankfurt am Main - Anleger, die auf eine Fortführung der Politik des billigen Geldes gesetzt haben, atmen durch: Der zwölf Mitglieder zählende Offenmarktausschuss der US-Notenbank zeigte sich uneins, wann die Geldschwemme eingedämmt werden soll. Nur wenige Mitglieder hätten dafür plädiert, die Käufe "bald ein wenig" zu drosseln, heißt es in den Protokollen der Juli-Sitzung, die am Mittwoch Abend veröffentlicht wurden.

Einige Notenbanker hätten dagegen zur Geduld beim Herunterfahren der Konjunkturhilfen gemahnt. Derzeit kauft die Notenbank jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilienpapiere und kurbelt damit die Wirtschaft an.

Dow Jones verringert Verluste

An der Wall Street nahmen die Investoren die Uneinigkeit der Notenbanker zunächst mit Erleichterung zur Kenntnis. Der US-Leitindex Dow Jones  drehte bis 21 Uhr MESZ um 0,1 Prozent ins Plus. Im späten Handel überwogen jedoch wieder die Verkäufe, der Dow schloss schließlich 0,7 Prozent schwächer.

Bislang kauft die Fed zur Ankurbelung der US-Konjunktur monatlich Anleihen und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar auf.

Dax schließt schwächer - Linde und Commerzbank gefragt

Zu den Gewinnern im Index zählten die Aktien der Commerzbank (Kurswerte anzeigen), die zeitweise um mehr als 2 Prozent zulegten. Johan Ekblom, Analyst bei Merrill Lynch, hob das Kursziel für die Titel von 10 auf 11 Euro an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Ekblom zeigte sich in einer Studie zuversichtlich, dass die Bank im Kerngeschäft bis 2015 eine Eigenkapitalrendite von mehr als 10 Prozent erreichen kann.

Auch Linde  waren am Mittwoch gefragt. Die Aktien stiegen um bis zu 1,6 Prozent auf 148,60 Euro, den höchsten Stand seit Anfang Juni. Sie gehörten damit zu den größten Gewinnern im Dax. LBBW-Analyst Ulle Wörner geht davon aus, dass sich das Wachstum bei Linde weiter beschleunigt.

Kabel Deutschland: Gute Chancen für Übernahme durch Vodafone

Zu den Gewinnern am deutschen Aktienmarkt gehörten Kabel Deutschland , die sich um 1,6 Prozent auf 85,81 Euro verteuerten. Bundeskartellamtschef Andreas Mundt hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, er sehe nach einer ersten, vorläufigen Bewertung keine größeren Hürden für die geplante Übernahme des Kabelnetz-Betreibers durch den britischen Mobilfunker Vodafone  .

KPN-Aktie steigt: Carlos Slim hat Geld für KPN-Kauf beisammen

Die Aktie von KPN (Kurswerte anzeigen) legte unterdessen rund 3 Prozent zu. Der mexikanische Telekomanbieter America Movil des Milliardärs Carlos Slim hat die Finanzierung für die geplante vollständige Übernahme des niederländischen Rivalen KPN  offenbar unter Dach und Fach. Die Übernahme werde im September weiter voranschreiten, teilte America Movil am Mittwoch mit. Slims Firma hält derzeit einen Anteil von fast 30 Prozent an KPN und hatte vor knapp zwei Wochen angekündigt, die E-Plus-Mutter für gut sieben Milliarden Euro ganz kaufen zu wollen.

Fusion von E-Plus und o2 Deutschland in Gefahr

Slim könnte mit seinem Vorstoß das zuvor von KPN  beschlossene Zusammengehen von E-Plus mit der Tochter o2 des spanischen Rivalen Telefonica durchkreuzen. KPN hatte dafür keine Rückendeckung seines Großaktionäres Slims. Seine Firma America Movil steht in vielen Märkten Lateinamerikas in einem hartem Wettbewerb mit Telefonica. Slim hält die gebotenen gut acht Milliarden Euro für E-Plus für zu niedrig. Die Aktionäre von KPN sollen am 2. Oktober bei einer außerordentlichen Hauptversammlung über das vorgeschlagene Zusammengehen von E-Plus und o2 entscheiden.

Euro gibt zum Dollar nach

Der Euro (Kurswerte anzeigen) hat am Mittwoch vor Veröffentlichung des vielbeachteten Sitzungsprotokolls der US-Notenbank ("Minutes") verloren. Am Nachmittag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 1,3374 US-Dollar und notierte damit fast einen Cent unter seinem Vortagshoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3384 (Dienstag: 1,3392) Dollar festgesetzt.

Eine Verringerung der Dollar-Flut dürfte den Wert der US-Währung stützen. An den Märkten wird damit gerechnet, dass die Notenpresse schon bald etwas abgebremst wird.

Kapitalflucht: Investoren ziehen Geld aus Schwellenländern ab

In Asien geht das Zittern vor der Einschränkung der ultralockeren Geldpolitik in den USA weiter: Die indische Rupie fiel nach Interventionen der Zentralbank auf ein neues Rekordtief. Ein Dollar wurde mit bis zu 64,63 Rupien gehandelt. Auch die meisten anderen Landeswährungen der Region blieben unter Druck. Viele Schwellenländer Asiens waren in den vergangenen Jahren starke Profiteure der massiven Liquiditätsflut der großen Notenbanken. Nun wendet sich das Blatt und Investoren ziehen ihr Geld im großen Stil ab.

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