Börsenausblick Dax-Jubiläum im Zeichen der Notenbanken

Der Dax wird am Montag 25 Jahre alt. Ben Bernanke und Mario Draghi werden nicht mitfeiern, die Aufmerksamkeit der Anleger ist ihnen dennoch gewiss. Der EZB-Zinsentscheid sowie US-Jobdaten stehen in der neuen Woche im Fokus.
Abkühlung: Der Dax hat im ersten Halbjahr rund 4 Prozent zugelegt. Mitte Mai waren es noch 12 Prozent gewesen

Abkühlung: Der Dax hat im ersten Halbjahr rund 4 Prozent zugelegt. Mitte Mai waren es noch 12 Prozent gewesen

Foto: DPA

New York / Frankfurt am Main - Angesichts der Furcht vor einem baldigen Ausstieg der Notenbanken aus der Politik des billigen Geldes verfolgen die Börsianer derzeit noch genauer als üblich alle Nachrichten, die Rückschlüsse auf die Strategie der Währungshüter zulassen könnten. Da die Federal Reserve unter ihrem Chef Bernanke ihr Anleihenkaufprogramm von derzeit 85 Milliarden Dollar pro Monat von der Entwicklung des heimischen Arbeitsmarktes abhängig macht, stehen US-Jobdaten besonders im Fokus.

Am Mittwochnachmittag präsentiert der private Anbieter ADP seine Statistik, bevor am Freitag der offizielle Arbeitsmarktbericht für Juni folgt. Analysten rechnen mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosenquote auf 7,5 Prozent - von dem Zielwert der Fed von 6,5 Prozent ist das aber noch weit entfernt.

Große Aufmerksamkeit wird am Donnerstag auch EZB-Chef Draghi zuteil, der im Anschluss an die Zinsentscheidung der Zentralbank wie üblich der Presse Rede und Antwort stehen wird.

Interessant dürften in diesem Zusammenhang die Arbeitsmarktdaten und die Markit-Einkaufsmanagerindizes für die Industrie in der Euro-Zone sein, die am Montag vorgelegt werden. Zuletzt hatten sowohl Fed als auch EZB deutlich gemacht, dass die Sorgen der Märkte vor einer baldigen Straffung der Geldpolitik übertrieben seien. Die Landesbank Berlin (LBB) rechnet frühestens im Herbst mit einer Verringerung der Liquiditätszufuhr "in homöopathischen Dosen".

Verkürzte Handelswoche in den USA, starkes Halbjahr für S&P 500

Die Hoffnung auf eine möglichst schonende Entwöhnung von den Geldspritzen der Notenbanken hatte den Aktienanlegern nach einer Schwächephase zuletzt wieder Auftrieb gegeben. Trotz ihres Fed-Schrecks und der daraus resultierenden Kursverluste sind die US-Börsen am Freitag mit überwiegend positiven Ergebnissen ins Wochenende gegangen. Der S&P 500 legte sein bestes erstes Halbjahr seit 15 Jahren hin - 13 Prozent mehr waren es als vor sechs Monaten.

Volatil könnte der Handel an der Wall Street in den kommenden Tagen allein schon deshalb werden, weil sie feiertagsbedingt verkürzt und trotzdem mit wichtigen Konjunkturdaten gespickt ist. Am Independence Day am Donnerstag herrscht Feiertagsruhe auf dem New Yorker Parkett und schon am Mittwoch wird nur den halben Tag gehandelt. Das Volumen dürfte also gering bleiben, die Kursausschläge könnten es aber durchaus in sich haben.

Schließlich bleibt den Investoren nur wenig Zeit, um sich für die wohl wichtigste Konjunktur-Nachricht der kommenden Woche in Stellung zu bringen - den am Freitag erwartete Arbeitsmarktbericht. Bereits am Montag steht der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe in den USA an.

Der Dax  schloss am Freitag 0,4 Prozent schwächer bei einem Stand von 7959 Zählern, nachdem er zeitweise wieder über die Marke von 8000 Punkten gelugt hatte. Für den deutschen Leitindex seien Kurse unter 8000 Zählern mittelfristig eine Chance zum Einstieg, erklärten LBB-Analysten. Die im Juli beginnende Berichtssaison der Unternehmen könnte dann neue Impulse parat haben.

Auf Unternehmensseite ist der Terminkalender dünn. In Frankfurt wird der Börsengang des Immobilienkonzerns Deutsche Annington erwartet. Die Zeichnungsfrist für die Papiere endet am Dienstag, die Erstnotiz ist zum Handelsstart am Mittwoch vorgesehen. Für 18 bis 21 Euro will das Annington-Management die Aktien auf den Markt bringen.

von Tom Körkemeier und Angela Moon, reuters
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