Sonntag, 22. September 2019

Osram-Börsengang Geschenkt ist noch zu teuer

Genau hinschauen: Ostram fertigt auch Leuchtdioden (LED) - doch die wachsende Konkurrenz und der eher ungewöhnliche Börsengang dürften die Aktie unter Druck setzen

Nach zwei gescheiterten Versuchen bringt Siemens seine Lichttochter Osram auf ungewöhnliche Weise an die Börse: Siemens-Aktionäre bekommen die Anteilsscheine automatisch ins Depot gebucht. Doch geschenkte Aktien bringen ganz eigene Probleme mit sich.

Hamburg - "Zehn mal Ebitda." Diesen Wert nannte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser vor zweieinhalb Jahren, als er den Börsenwert der Siemens-Lichtsparte nennen sollte. Das Ebitda, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen der Osram GmbH in München und der Osram Semiconductors GmbH in Regensburg betrug zu diesem Zeitpunkt zusammengenommen 816 Millionen Euro.

Schon damals schienen die sich daraus ergebenen rund acht Milliarden Euro Börsenwert für Osram gewagt. Zumal Analysten bis dato eher fünf Milliarden Euro auf dem Zettel hatten.

Seither ist viel passiert. Zweimal blies Siemens den geplanten Osram-Börsengang ab. Die Gewinne der Sparte schnurrten derweil zusammen. Im vergangenen Jahr schrieben die Konzerntöchter bei 5,4 Milliarden Euro Umsatz rund 378 Millionen Euro Verlust. Und auch 2013 dürfte bestenfalls eine schwarze Null zu erreichen sein.

Von dem erhofftem Börsenwert ist heute nicht mehr viel übrig. "Den fairen Wert der Osram-Aktie sehen wir bei 32 bis 40 Euro pro Aktie", sagt Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. Bei den 104 Millionen ausgegebenen Papieren entspräche das einem Börsenwert der Osram Licht AG von 3,3 bis 4,1 Milliarden Euro. Den Abschlag gegenüber früherer Bewertungen begründet Schachel vor allem mit dem Wettbewerbsdruck aus Korea und China.

Von der Glühbirne zum LED-Markt: Die Konkurrenz wird schärfer

So muss sich die fast hundert Jahre alte Marke Osram nicht mehr nur mit den großen Traditionsherstellern wie Philips Börsen-Chart zeigen oder General Electric auseinandersetzen, die sich den Markt für Glühbirnen und Neonröhren lange unter einander aufteilten. Das rasant wachsende Geschäft mit Leuchtdioden, den LEDs, wo auch die Halbleitertechnik eine immer bedeutsamere Rolle spielt, haben längst auch Hersteller wie Nichia aus Japan, Samsung Börsen-Chart zeigen oder LG Innotek aus Korea zu Wettbewerbern werden lassen.

Der Patentkrieg, den Osram, Samsung und LG noch vor Monaten ausfochten, zeigt, mit welchen Bandagen dabei gekämpft wird. Treu nach Fünf-Jahres-Plan und von der Partei gefördert produzieren alleine in China inzwischen hunderte Hersteller preisgünstige Leuchtdioden.

Sparprogramm "Push" soll Anleger versöhnen

"Ich erwarte, dass die Preise in den nächsten Jahren weiter fallen", sagt Analyst Schachel. Dies gelte vor allem für LEDs, für die er mit einem Preisrückgang um 12 Prozent pro Jahr rechnet. Dennoch sieht er Osram auf dem richtigen Weg. "Der Preisdruck sollte durch das Push-Programm mehr als kompensiert werden."

"Push", das ist der interne Name des Sparprogramms, das Osram-Chef Wolfgang Dehen dem Unternehmen auferlegt hat. Nachdem schon Anfang 2012 in einer ersten Einsparrunde weltweit 2000 Stellen abgebaut worden waren und der LED-Preis im Verlauf des Jahres um ein weiteres Fünftel einbrach, legte die Konzernführung Ende 2012 ein weiteres Mal die Axt an. Bis 2014 wird Osram, Stand heute, weitere 4700 Arbeitsplätze streichen. Verglichen mit dem Stand vom Herbst 2011, als der Traditionshersteller noch 41.000 Mitarbeiter beschäftigte, sollen künftig zwischen 7300 und 8000 Mitarbeiter wegfallen - die Hälfte über Werksschließungen. Ende 2011 betrieb Osram in 16 Ländern noch 44 Fabriken.

Bis 2015 sollen die Ausgaben so um insgesamt eine Milliarde Euro gekappt werden. Doch es gibt mit der Osram-Aktie noch ein anderes Problem.

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