ProSieben Aktionäre stimmen Sat1-Fusion zu

Konzern-Chef Urs Rohner spricht von einer "Liebesheirat": Die ProSieben-Aktionäre haben den Weg für die Fusion mit Sat1 zum größten deutschen TV-Konzern frei gemacht.

München - Die Fusion zwischen ProSieben und Sat1 zum größten deutschen Fernseh-Unternehmen ist so gut wie perfekt. Am Dienstag stimmten die ProSieben-Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns in München dem Zusammenschluss zu, durch den die Senderfamilie aus ProSieben, Sat1, Kabel 1 und dem Nachrichtensender N24 den Konkurrenten RTL überflügeln will.

In dem hart umkämpften deutschen Fernsehmarkt habe Sat1 im Vergleich zu ProSieben und RTL mit Abstand das größte Wachstumspotenzial, sagte ProSieben-Chef Urs Rohner vor den Anteilseignern. Er sei sicher, dass Sat1 mittelfristig deutlich zweistellige Umsatzrenditen erzielen werde.

Fusion einstimmig angenommen

Wie erwartet einstimmig fiel das Votum der Stammaktiäre von ProSieben, KirchMedia und Rewe aus. KirchMedia hält 58,4 Prozent der nicht börsennotierten Stammaktien, Rewe die restlichen 41,6 Prozent. Die anwesenden Besitzer der im M-Dax notierten Vorzugsaktien stimmten der Verschmelzung mit 99,4 Prozent zu.

Nun müssen noch die Gesellschafter von Sat1, die Kirch-Gruppe und Axel Springer, die sich ebenfalls am Dienstag in Berlin treffen, die Fusion genehmigen.

Durch die Verschmelzung entsteht ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Mark und einem Vorsteuergewinn von 400 Millionen Mark. Die neue ProSieben Sat1 Media hat nach eigenen Angaben einen Anteil am deutschen Fernsehmarkt von 24 Prozent.

Bei der Fusion ist Sat1 jedoch der klare Juniorpartner, der mit 3,149 Milliarden Mark gut ein Drittel des Unternehmenswertes von ProSieben (8,091 Milliarden Mark) erreicht.

Sat1 gil als "Spätzünder"

Rohner gab sich allerdings zuversichtlich, dass Sat1 an die Erfolge des Fusionspartners anknüpfen kann. "Als eigentlicher "Spätzünder" wird Sat1 seine Ertragskraft erst in den kommenden Jahren so richtig entfalten", sagte er.

Im ersten Halbjahr 2000 habe das Ergebniswachstum des Sat1-Konzerns über der Prognose des Senders gelegen, der im Gesamtjahr mit einer Steigerung des Gewinns vor Steuern von über zehn Prozent (1999: 48 Millionen Mark) rechnet.

Der Sender Sat1, der mehr als 97 Prozent des Umsatzes des Gesamtkonzerns ausmacht, habe seine Erlöse im ersten Halbjahr um acht Prozent auf 963 Millionen Mark gesteigert, sagte Rohner. Das Ergebnis vor Steuern sei auf 34 Millionen Mark von einer Millionen im Vorjahreshalbjahr gewachsen. Damit beläuft sich die Umsatzrendite vor Steuern auf 3,5 Prozent.

Umsatzrendite von Sat1 enttäuscht

Der Sender ProSieben hatte im ersten Halbjahr 2000 eine Umsatzrendite von knapp 24 Prozent erzielt. ProSieben wies für das erste Halbjahr 2000 ein Umsatzzuwachs von fünf Prozent auf 569,8 Millionen Euro und eine Steigerung des Konzernüberschusses von neun Prozent auf 54,1 Millionen Euro aus.

Aktionärsvertreter gaben sich auf der Hauptversammlung skeptisch, ob sich die Rentabilität von Sat1 sehr schnell verbessern lasse. Das bedürfe schon einer "erheblichen Kraftanstrengung", sagte Karin Messerer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Rohner sagte jedoch, er sei "absolut überzeugt", dass Sat1 mittelfristig deutlich zweistellige Umsatzrenditen erwirtschaften werde. Der Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg von Sat1 sei auf alle Fälle der Konkurrenzsender RTL, der mit einem ähnlichen Programmangebot eine Umsatzrendite von 16 Prozent aufweise.

Sat1 und ProSieben sähen sich als Wunschpartner, warb Rohner vor den Aktionären für die Fusion. Für sie gebe es keine strategische Alternative. Mit den Sendern ProSieben, Sat1, Kabel 1 und dem Nachrichtensender N24 vergrößere man das Marktgewicht substanziell. Die Programmressourcen könnten effizienter eingesetzt werden.

Synergieeffekte von 200 Millionen Euro geplant

So werde N24, das seinen Unternehmenssitz voraussichtlich von München nach Berlin verlegen wird, alle Sender mit Nachrichten beliefern. Insgesamt rechnet Rohner mit Synergieeffekten von rund 200 Millionen Euro, die bis Ende 2003 realisiert werden sollen. "Das ist realistisch, aber eher konservativ geschätzt", fügte er hinzu. Dem stünden einmalige Kosten von bis zu rund 100 Millionen Mark gegenüber.

Das neue Unternehmen werde mit den Sparten Fernsehen, Multimedia, Merchandising und Dienstleistungen dieselben Geschäftsfelder wie die ProSieben Media besetzen, erläuterte Rohner. Als Hauptkonkurrent sieht er die Sender RTL, RTL II, SuperRTL und VOX, die sich in den letzten Monaten zu einem schlagkräftigen Senderverbund formiert hätten, "der unsere Marktposition in Zukunft ernsthaft tangieren kann".

Im Computerhandel verzeichneten die ProSieben-Vorzugsaktien am Dienstag leichte Kursgewinne. Bis zum frühen Nachmittag legten die Titel um rund 0,7 Prozent auf 170,20 Euro zu, nachdem sie schon am Vortag nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen leichte Kursgewinne hatten verbuchen können.

Der ProSieben-Kurs hatte schon während der sieben Monate langen Fusionsgespräche kräftig angezogen und sich gegenüber dem Jahresbeginn fast verdreifacht.