Mitsubishi Sicherheitsmängel bei Autos verheimlicht

Der japanische Autobauer, seit kurzem Partner von DaimlerChrysler, legte Kundenbeschwerden über Jahrzehnte lieber in einem Umkleideraum ab statt sie - wie vorgeschrieben - an das Verkehrsministerium weiter zu leiten.

Tokio - Mitsubishi Motors hat am Dienstag nach internen Untersuchungen zugegeben, seit 1977 systematisch Kundenbeschwerden und Sicherheitsdokumente zurückgehalten zu haben.

Außerdem kündigte Mitsubishi an, weitere 88.015 Fahrzeuge zurückzurufen, womit sich die Zahl der in den vergangenen vier Wochen in die Werkstätten zurückgeholten Fahrzeuge auf 619.884 addiert.

Der neuerliche Rückruf basiert auf zurückgehaltenen Mängelbeschwerden, die bis in den April 1998 zurückgehen. Die Lawine war bereits im Juli ins Rollen gekommen.

Anoymer Anruf brachte Ermittler auf die Spur

Nach einem anonymen Telefonanruf durchsuchte das japanische Verkehrsministerium eine Produktionsstätte von Mitsubishi und fand im Umkleideraum des Werks einen Stapel Kundenbeschwerden.

Alle diese Kundenbriefe waren mit einem "H" gekennzeichnet und enthielten Beschwerden über schwer wiegende Sicherheitsmängel. Kundenbeschwerden müssen in Japan an das Verkehrsministerium zur Prüfung weitergeleitet werden.

Über eine halbe Million Rückrufe

Das Ministerium zwang Mitsubishi nach Durchsicht des heiklen Materials, 514.000 Fahrzeuge Pkw und Lkw in die Werkstätten zurückzurufen und Nachbesserungen an Motoren, Bremsen und Tankverschlüssen vorzunehmen. Die Kosten der ganzen Aktion wurden damals auf rund fünf Milliarden Yen geschätzt.

Falsches Eingeständnis

Noch in der vergangenen Woche wurde in dem japanischen Massenblatt "Yomiuri Shimbun" die Beteuerung des Präsidenten von Mitsubishi Motors, Katsuhiko Kawasoe, veröffentlicht, eine systematische Verheimlichung von Kundenbeschwerden habe es nie gegeben.

An diesem Dienstag musste das Unternehmen jedoch eingestehen, seit 1977 lediglich etwa ein Drittel der von Händlern zugesandten "Produktinformationsberichte", das sind Dokumentationen über Kundenbeschwerden und Mängel, an das Ministerium weitergeleitet zu haben.

Der neuerliche Rückruf von den 88.015 Fahrzeugen basiert auf zurückgehaltenen Mängelbeschwerden, die bis in den April 1998 zurückgehen.

Bisher ist, wie aus dem Verkehrsministerium berichtet wurde, noch keine Anklage gegen Mitsubishi erhoben worden, dies sei jedoch denkbar. Auf die DaimlerChrysler AG, die vor nicht einmal vier Wochen eine Allianz mit Mitsubishi Motors vereinbart sowie einen 34-Prozent-Anteil übernommen hat, wird die Aktion nach Aussage einer Sprecherin keinen Einfluss haben.