Ford Macht drei Werke dicht

Der Autoriese braucht Ersatz für seine 6,5 Millionen zurückgerufenen Reifen von Firestone/Bridgestone. Er hat jetzt vorübergehend drei Leicht-Lkw-Werke in Amerika geschlossen. Dadurch sollen 700.000 Reifen frei werden.

Detroit - Wie das "The Wall Street Journal" berichtet, wären die 700.000 Reifen ansonsten auf die Felgen sogenannter "Sport Utility Vehicles" (SUV) vom Typ "Ranger" und "Explorer" montiert worden. Nun können sie den Besitzern bereits ausgelieferter Fahrzeugen dieser Typen als Ersatz für die zurückgerufenen Pneus angeboten werden.

Viele gehen dennoch leer aus. Erst Anfang September soll die Nachfrage nach Ersatz-Pneus durch einen höheren Output der Reifenhersteller gedeckt werden können.

Durch den zweiwöchigen Produktionsstopp werden Ford zufolge rund 25.000 "Explorer" und "Ranger" weniger hergestellt, was auch einen Einfluss auf das Ergebnis des dritten Quartals haben wird. Nach Analystenschätzungen wird der Quartalsüberschuss um etwa 100 Millionen Dollar geringer ausfallen. Die Schließung bis zum 8. September betrifft 6000 Mitarbeiter, die in dieser Zeit 95 Prozent ihres Lohns erhalten.

62 Tote werden mit den defekten Reifen in Zusammenhang gebracht

Grund für die Rückrufaktion waren nahezu tägliche Berichte über Verkehrsunfälle, die von defekten Firestone/Bridgestone-Rädern verursacht worden waren. Rund 750 Unfälle mit 62 Toten werden mit den defekten Reifen in Verbindung gebracht. Die meisten der 6,5 Millionen betroffenen Reifen wurden auf den Ford "Explorer" montiert.

Gegen Ford sind aus diesem Grunde mehrere Verfahren anhängig, unter anderem vom Zentrum für Fahrzeugsicherheit (Center for Auto Safety). Letzteres hält nicht nur die freiwillig zurückgerufenen Pneus, sondern sämtliche Firestone-Reifen vom Typ ATX, ATX II sowie Wilderness AT für ersatzbedürftig.

Ford will sich nicht von Bridgestone/Firestone abwenden

Für Ford geht es nach Ansicht von Analysten nun vor allem darum, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Trotz einer vertauensbildenden Werbekampagne musste das Unternehmen einen Rückgang des "Explorer"-Absatzes in der jüngsten Zeit eingestehen.

Der Fahrzeughersteller wird sich aber nicht von dem Lieferanten Bridgestone/Firestone abwenden, wie ein Ford-Sprecher wiederholt betonte. Allerdings will Ford wieder dazu übergehen, die Pneus für eine Fahrzeugserie von mehreren Herstellern zu beziehen. "Dies bedeutete aber nicht, dass Goodyear mehr und Firestone weniger Aufträge erhält", stellte der Ford-Sprecher klar.

Goodyear hatte unlängst die Argumentation von Ford unterstützt, dass auch zu niedriger Reifendruck für die Defekte verantwortlich sein könnte.