Vor der Sommersaison Lufthansa trotz roter Zahlen optimistisch

Der erbitterte Tarifstreit mit Verdi ist abgehakt, die Kosten für Treibstoff sinken: Die Lufthansa geht mit Rückenwind in die wichtige Sommersaison - trotz der roten Zahlen, die das Unternehmen heute für das Auftaktquartal präsentierte.
Lufthansa-Maschinen in Frankfurt: Deutschlands größte Airline ist optimistisch

Lufthansa-Maschinen in Frankfurt: Deutschlands größte Airline ist optimistisch

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Frankfurt am Main - Nur in der Hauptreisezeit verdient die Lufthansa mit dem Flugbetrieb richtig Geld. "Die Nachfrage ist stabil", sagte Finanzchefin Simone Menne am Donnerstag in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen. Aber es fehle noch an einer wirklich positiven Dynamik. Besonders wichtig sei, dass der Clinch um einen neuen Tarifvertrag für 33.000 Beschäftige beigelegt sei. "Das gibt uns Planungssicherheit, da der Vertrag 26 Monate gilt".

Der Preis ist allerdings hoch: Die Lufthansa taxiert die Mehrkosten durch den Tarifabschluss auf 74 Millionen Euro. Die größte deutsche Airline einigte sich am Mittwoch mit der Großgewerkschaft Verdi auf ein Lohnplus von - je nach Sparte - bis zu 4,7 Prozent. Zudem sind für die Dauer des Tarifvertrages betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Verdi hatte mit Warnstreiks den Lufthansa-Flugverkehr an zwei Tagen fast komplett lahmgelegt, um Druck in den Verhandlungen zu machen.

Sanierungskosten belasten

Die Einbußen am ersten Streiktag im März sind einer der Gründe, warum die Lufthansa in den ersten drei Monaten des Jahres weiter in den roten Zahlen steckte. Operativ verbuchte die Fluggesellschaft im ersten Quartal einen Verlust von 359 Millionen Euro - genau so viel wie im Vorjahreszeitraum. Negativ wirkten sich zudem die Kosten für das Sparprogramm Score von 64 Millionen Euro aus.

Gleichzeitig konnte die Kranich-Linie Erfolge des Sanierungskurses einfahren: Im Passagiergeschäft mit den Linien Lufthansa , Austrian, Swiss und Germanwings fiel der operative Verlust um 15 Prozent auf 363 Millionen Euro. Die Sparte ist mit Abstand die wichtigste der Lufthansa-Gruppe und erlöste im ersten Jahresviertel gut fünf Milliarden des Konzernumsatzes von 6,6 Milliarden Euro.

Ausnahmsweise gute Nachrichten liefert der Öl-Preis. "Wir rechnen da dieses Jahr mit einer Entlastung", sagte Menne. Die Tankrechnung dürfte 2013 nach der neuesten Prognose sieben Milliarden Euro erreichen - 200 Millionen weniger als bislang geplant.

Bekenntnis zum Flugzeugessen

Bei Anlegern kamen die Aussagen gut an: Das Dax-Papier gewann 2,7 Prozent. Da der Wettbewerb am Himmel härter wird und neue Flugzeuge geordert wurden, hat sich die Lufthansa vor gut einem Jahr einen harten Sparkurs verordnet, dem weltweit 3500 Jobs zum Opfer fallen. Mit der Rosskur will der Dax-Konzern sein operatives Ergebnis bis 2015 auf 2,3 Milliarden Euro erhöhen. In diesem Jahr strebt der Vorstand weiterhin ein operatives Ergebnis über dem Vorjahresniveau von 524 Millionen Euro an.

Gute Neuigkeiten gab es auch für eine andere Dauerbaustelle des Konzerns: Die Lufthansa will ihre Catering-Sparte LSG Sky Chefs nun doch nicht verkaufen. Nach einer strategischen Überprüfung sei das Management zu dem Schluss gekommen, dass das Geschäft auch künftig zum Konzern gehören solle, sagte Menne.

Der Vorstand sehe Wachstumschancen im Catering und wolle neue Geschäfte - etwa durch die Belieferung von Schulen - erschließen. Zudem sei LSG zentral für das Passagier-Kerngeschäft der Lufthansa. "Ohne LSG wären wir abhängig von drei globalen Playern", führte sie aus.

von Peter Maushagen, Reuters
Mehr lesen über Verwandte Artikel