Freitag, 20. September 2019

Immobilien-Investments Fondsregulierung löst Torschlusspanik aus

Immobilien-Hotspot Hongkong: Für Anleger offener Immobilienfonds ändert sich einiges

Mit neuen Regeln für offene Immobilienfonds will die Bundesregierung das krisengeschüttelte Finanzprodukt sicherer machen. Doch die Gesetzesnovelle hat erhebliche Schwächen - und löst bei Anlegern bereits Torschlusspanik aus.

Hamburg - "Wenn Sie jetzt noch schnell in den UniImmo Deutschland einsteigen, können Sie ihr Kapital jederzeit wieder abheben", sagt der Volksbankberater und blickt seinem Kunden mit ernster Miene ins Gesicht. "Kommen Sie aber erst im August, ist Ihr Geld für mindestens drei Jahre im Fonds eingefroren." Das Argument zieht. Das Gespräch dauert nur knapp zehn Minuten. Dann unterschreibt der 53jährige. 22.000 Euro fließen von seinem Konto in den 8,7 Milliarden Euro schweren offenen Immobilienfonds der Union Investment Real Estate (UIR).

Ausverkaufsstimmung herrscht derzeit in etlichen Filialen von Sparkassen und Volksbanken. Viele Berater empfehlen ihren Kunden, jetzt noch schnell in offene Immobilienfonds einzusteigen, bevor am 21. Juli die Reformen der Bundesregierung greifen. Jeden Cent, der nach diesem Stichtag in die Branchenprodukte fließt, können Anleger erst nach einer Haltedauer von 24 Monaten und einer Kündigungsfrist von mindestens zwölf Monaten wieder abheben. Allerdings soll die Kündigung bereits während der Haltefrist ausgesprochen werden können, so dass Sparer frühestens nach zwei Jahren wieder an ihr Geld gelangen können. Hingegen gilt für alle Anleger, die bis dahin in die Fonds investieren, weiter die jetzige Regelung: Bis zu 30.000 Euro dürfen sie in jedem Halbjahr abheben.

Die neue Regelung soll weitere Schieflagen bei den seit neun Jahren immer wieder von Krisen geschüttelten Investmentvehikeln verhindern. Ganz heftig erwischte es die nun noch insgesamt 82,3 Milliarden Euro schweren Branchenprodukte nach Ausbruch der Finanzkrise im Spätherbst 2008. Weil Anleger weit mehr Kapital abziehen wollten als an liquiden Mitteln vorhanden war, mussten 13 Fonds abgewickelt werden. Unter dem Strich erlitten die betroffenen Sparer milliardenschwere Verluste. Denn viele Fonds mussten ihre Immobilien weit unter dem früheren Buchwert losschlagen.

Experten kritisieren neue Fondsregeln

"Wir wollen die Stabilität der offenen Immobilienfonds dauerhaft gewährleisten und sie für die Anleger sicherer machen", sagt der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Klaus-Peter Flosbach. Durch die einjährige Kündigungsfrist könnten sich die Fondsmanager rechtzeitig auf etwaige Kapitalabflüsse einstellen und hätten genügend Zeit, Immobilien zu veräußern, um die nötige Liquidität zu beschaffen.

Doch Experten bezweifeln, dass die Branchenprodukte durch die neue Regelung wetterfest gegen künftige Stürme an den Kapitalmärkten werden. "Wir bekommen jetzt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in jenen Fonds, die die Krise überstanden haben", sagt Sonja Knorr, Analystin der Ratingagentur Scope. Die Gefahr bestehe, dass bei neuen Turbulenzen Altanleger in Scharen ihr Geld abziehen und die Fonds ebenfalls eingefroren und letztendlich abgewickelt werden müssten.

"Ein solcher Super-Gau kann weiterhin eintreten", meint auch Dieter Thomaschowski, Inhaber des Analysehauses Investment Research in Change IC (IRICIC). Denn im Schnitt habe jeder Privatanleger nur rund 25.000 Euro in seinen offenen Fonds investiert. "Damit besteht weiter die Gefahr, dass ein Fonds binnen Tagen ausbluten kann", sagt der Analyst.

Nach dem 21. Juli müssten sich Sparer deshalb "ernsthaft fragen, ob sie neue Engagements in bestehende Fonds tätigen", meint Thomaschowski. "Sie laufen dann nämlich Gefahr, dass ihr nach diesem Stichtag investiertes Kapital bei einem Run auf den Fonds eingefroren wird, während die Altanleger noch herauskommen."

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