Mittwoch, 20. November 2019

Immobilien-Investments Fondsregulierung löst Torschlusspanik aus

Immobilien-Hotspot Hongkong: Für Anleger offener Immobilienfonds ändert sich einiges

2. Teil: Sparkassen und Volksbanken schüren Angst der Anleger

Um die Existenz der Altfonds zu sichern, wäre es besser, wenn für sie auch bei Neuanlagen die bisherige 30.000-Euro-Regelung beibehalten würde, sagt Knorr. "Lediglich für neue Fonds sollten die strikteren Kündigungsfristen gelten." Eine Alternative wäre die Einführung einer generellen einjährigen Kündigungsfrist auch für Altanleger. Dies hält die Analystin jedoch für riskant: "Dann bestünde die Gefahr, dass viele Sparer vor dem Stichtag ihr Kapital abziehen und die Fonds dadurch in Schwierigkeiten geraten."

Bislang hat zwar nur der Finanzausschuss des Bundestags den Reformplänen zugestimmt. Dass es vor der endgültigen Verabschiedung im Bundestag noch Änderungen geben wird, glauben Beobachter allerdings nicht. "Für die Politik ist das Thema erledigt", heißt es in Lobbyistenkreisen. Die Umsetzung der Reform erfolgt im Rahmen der Anpassung der EU-Richtlinie für Manager alternativer Investmentfonds (AIFM) an deutsches Recht und beinhaltet zahlreiche Gesetzesänderungen. "Niemand will das Gesamtpaket noch einmal aufschnüren", sagt ein Vertreter der Finanzlobby.

Nicht betroffen von der jüngsten schweren Branchenkrise waren die Produkte jener Kapitalanlagegesellschaften, die über ein starkes, filialgestütztes Vertriebsnetz verfügen: die Fonds der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, des Sparkassenanbieters Deka und des Volksbanken-Fondsbesorgers Union Investment. Jetzt schüren etliche Sparkassen und Volksbanken die Angst vor der bevorstehenden Gesetzesänderung, um Anlegern noch rasch Anteile zu den bisherigen Konditionen zu verkaufen.

Schützenhilfe gibt es dabei von der Union Investment: "Wir begrüßen, dass Fondsanteile, die bis zum 21. Juli erworben werden, einen dauerhaften Bestandsschutz genießen, in dem für sie die tägliche Verfügbarkeit von 30.000 Euro pro Kalenderhalbjahr weiterhin gilt", heißt es in einer Stellungnahme der Fondsschmiede.

Vertriebe schielen auf die Provision

Das emsige Rühren der Vertriebstrommeln zeigt bereits Wirkung. In die von Sparkassen verkauften beiden Deka-Fonds Immobilien Europa und Immobilien Global strömten im Januar und Februar insgesamt 729,6 Millionen Euro, wie die jüngste Statistik des Fondsverbands BVI zeigt. In den UniImmo Deutschland und den UniImmo Europa der UIR flossen im selben Zeitraum 502,52 Millionen Euro.

Deutlich zurückhaltender agieren hingegen die Vertriebe der Commerzbank und der Deutschen Bank. Der 9,3 Milliarden Euro schwere Coba-Fonds Hausinvest wuchs in den ersten zwei Monaten des Jahres um bescheidene 30,4 Millionen Euro. Bei den zusammen sechs Milliarden Euro schweren Fonds der Deutsche Bank-Tochter RREEF, Grundbesitz Europa und Grundbesitz Global, addierte sich das Mittelaufkommen in diesem Zeitraum auf 164,4 Millionen Euro.

Für die Vertriebe ist das ein lohnendes Geschäft. Sie kassieren die Ausgabeaufschläge von 5 Prozent beim Verkauf der Fondsanteile. Anlegerschützer sehen die Entwicklung äußerst kritisch. "Die Vertriebe nutzen die Gesetzesänderung, um rasch Provisionen zu generieren", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Die Interessen der Anleger hingegen blieben auf der Strecke. "Die Fondsmanager können gar nicht so schnell Immobilien kaufen, wie jetzt Geld hereinströmt", sagt Nauhauser. Das überschüssige Kapital müsse deshalb auf minimal verzinsten Tagesgeldkonten geparkt werden. "Das schmälert die Rendite für die Kunden erheblich."

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