Heizöl So teuer wie seit 15 Jahren nicht mehr

Der Spitzenpreis liegt nur noch geringfügig unter dem Nachkriegsrekord von 1985. Schuld sind Steuer und hohe Rohölpreise. Daher haben auch Autofahrer nichts zu lachen: Sprit bleibt teuer.

Hamburg/New York - Die Heizölpreise in Deutschland sind auf dem höchstem Stand seit 15 Jahren. Der Spitzenpreis für 100 Liter lag laut Umfrage des Hamburger Erdöl-Informationsdienstes (EID) vom Donnerstag bei 87 Mark. Die Differenz zum Nachkriegsrekord von 1985 betrage damit nur noch zehn Pfennig pro Liter.

„Es gibt keinen Grund, davon auszugehen, dass es billiger werden sollte", sagte Karl-Heinz Schult-Bornemann von der Esso in Hamburg. Er begründete den Preisanstieg mit den hohen Rohölkosten in der Nähe von 30 Dollar (63 Mark) pro Barrel (159 Liter) und dem starken Dollar.

Beim Rekordpreis 1985 sei das Heizöl erst mit einem Pfennig Steuern belastet gewesen. Heute dagegen betrage der Satz zwölf Pfennig pro Liter, so Schult-Bornemann.

Der hohe Ölpreis beflügelt die Aktien der Branche. An der New Yorker Börse, wo der Dow-Jones am Donnerstag um 0,4 Prozent auf 11.055, 64 Punkte stieg, gehörten auch Titel aus dem Ölsektor zu den Gewinnern. Zuvor hatten sich Vermutungen verdichtet, wonach die wichtigsten Erdölförderländer nicht bereit seien, ihre Fördermengen zu erhöhen.

Tendenz: noch teurer

Die Nachfrage nach Heizöl und damit die Preise könnten noch steigen. Laut Schult-Bornemann von Esso lassen viele Verbraucher traditionell erst zwischen September und November ihre Tanks füllen.

Auch Preissenkungen bei Benzin und Diesel sind nicht in Sicht, glaubt Shell-Sprecher Rainer Winzenried: `Wir betrachten die weltweit leeren Lager mit Sorge - Autofahrer müssen leider mit weiterhin hohen Preisen rechnen“.

Für Rolf Zimmermann, Deutschland-Chef von Ford in Köln, sind die hohen Benzinpreise ein Grund für schwache Nachfrage nach Autos in Deutschland. Der Vorstandsvorsitzende der Ford Werke AG nutzte die Gelegenheit zur Kritik an der Steuerpolitik der Bundesregierung.

Zimmermann forderte, „die nächsten Schritte der Ökosteuer zu verschieben". Dies könne der Autobranche helfen und Arbeitsplätze sichern. Man müsse darüber nachdenken, ob alles wie beschlossen durchgezogen werden solle.