Donnerstag, 5. Dezember 2019

Aktienmarkt Zeit, dass sich was dreht

Bulle an der Börse: Eigentlich müssten Anleger optimistisch für Aktien sein - schon mangels Alternativen. Doch der Dax hat zuletzt deutlich nachgegeben

2. Teil: Druck auf Anleger steigt

Auch andere vermeintlich sichere Anlagen verlieren ihren Nimbus. Beispiel Sparbuch: Die Zypern-Krise und ihre Folgen haben gezeigt, dass Staaten notfalls auch auf private Sparguthaben zugreifen. Ein Ereignis, dessen Auswirkungen bis nach Deutschland reichen. Denn auch hiesige Vermögensverwalter berichten, dass besorgte Bankkunden sie verstärkt beauftragen, Sicht- und Tagesgeldeinlagen anderweitig anzulegen. Immerhin fast zwei Billionen Euro haben die Deutschen - niedrig verzinst - dort angelegt.

Und Immobilien? Beliebt sind sie - und als Kapitalanlage versorgen sie den Investor mit Mietzahlungen. 2012, so rechnet Makler Engel & Völkers Commercial, wurden beispielsweise von Immobilien, die Geschäfts- und Wohnfläche unter einem Dach vereinen, bundesweit rund 20,4 Milliarden Euro umgesetzt. Im Vorjahr waren es noch 17 Milliarden Euro.

Doch taugen Immobilien auch als Sicherheitsanker? Nur bedingt- denn dazu müssten sie auch einer breiteren Anlegerschicht verfügbar sein. Gerade in Ballungsräumen sind Wohnimmobilien sehr teuer und für viele trotz günstiger Finanzierungskosten unerschwinglich geworden. Und in Produkte mit einer kleineren Stückelung ist das Vertrauen geschwunden. Offene Immobilienfonds beispielsweise haben ihren Nimbus der Solidität spätestens verloren, als bekannt wurde, dass etliche von ihnen abgewickelt werden müssen. Das Geld ist also da - doch wohin?

Beginn des Umdenkens

In Aktien, dämmert es einer wachsenden Zahl. Vor allem Aktien, die regelmäßig Dividenden ausschütten. Ein Unternehmen wie Nestlé oder BASF, das über einen langen Zeitraum stabile bis steigende Gewinne erwirtschaftet und seine Aktionäre deshalb mit verlässlichen bis steigenden Dividenden bedenken kann, sollte auch Phasen von Kursturbulenzen überstehen.

Nicht nur trockene Studien zeichnen die Spuren eines Stimmungswandels auf. "Ich spüre da schon ein keimendes Interesse an Aktien", beobachtet Ingo Grabowsky von der Fondsboutique Lacuna. "Allein deshalb, weil die Alternativen rar sind." Beispiel Reits - Immobilienaktien, die von Gesetz wegen einen Großteil ihres Gewinns ausschütten müssen. "Die Nachfrage steigt gerade von semi-institutionellen Investoren wie zum Beispiel Dachfondsmanagern. Denn Reits zahlen regelmäßige Dividenden und stehen für etwas Wahrnehmbares, eben Immobilien." Und Dahmann meint: "Der Deutsche ist ein wenig skeptischer als die Bevölkerung anderer Länder, aber er beginnt, behutsam umzudenken."

Nun müssen nur noch die Börsenindizes mitspielen. Der Dax Börsen-Chart zeigen hat das zuletzt nicht getan und seit einem knappen Monat an Wert verloren - die Höchststände aus dem Frühjahr sind wieder in die Ferne gerückt. Trotzdem bleiben die Argumente für Aktien gültig. "Die globale Volkswirtschaft entwickelt sich langsam weiter und wird vielleicht den einen oder anderen schwachen Monat haben", sagt Anja Hochberg, Head of Investment Strategy der Credit Suisse. "Sie wird aber auch weiterhin von der Geldpolitik unterstützt, die genauso expansiv oder noch expansiver sein wird - wie im Fall von Japan. Das ist normalerweise ein sehr gutes Umfeld für Aktieninvestitionen."

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