Sonntag, 26. Januar 2020

Aktienverkauf Bertelsmann will 1,6 Milliarden für RTL-Paket

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Bertelsmann drückt beim Verkauf von RTL -Anteilen auf die Tube. Mit einem Preis von bis zu 62 Euro pro Aktie hoffen die Gütersloher auf bis zu 1,6 Milliarden aus dem Geschäft, das noch im April über die Bühne gehen soll. Auch von der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr gibt es Neues.

Luxemburg - Noch vor Monatsende will der Medienkonzern Aktien für bis zu 1,58 Milliarden Euro von Europas größter privater Fernsehgruppe an der Börse platzieren. Weil damit der Streubesitz steigt, kann sich RTL Hoffnungen auf einen Aufstieg in den deutschen Nebenwerteindex MDax machen.

"Es wäre sicherlich ein Ziel, in diesen Index aufgenommen zu werden", sagte RTL-Finanzchef Elmar Heggen am Mittwoch. Bertelsmann verringert den Anteil an seiner profitabelsten Sparte von 92 Prozent auf gut 75 Prozent, um Geld für Investitionen in neue Geschäftsfelder lockerzumachen.

Konzernchef Thomas Rabe hat dem Konzern aus Gütersloh einen Umbau verordnet, um die Abhängigkeit vom krisengeplagten europäischen Kontinent zu verringern. Rabe will Digitalangebote, Bildungsangebote und das Geschäft mit Musikrechten und Fachinformationen ausbauen. Als Wachstumsmärkte hat er China, Indien, Brasilien und die USA ins Visier genommen.

Ein RTL-Paket von rund 17 Prozent soll Anlegern nun von diesem Donnerstag an bis zum 29. April angeboten werden. Damit sind künftig 24 Prozent der Aktien im Streubesitz, knapp ein Prozent hat RTL im eigenen Depot. Bereits am 30. April sollen die Titel im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse notiert sein. Bisher werden die Aktien nur im weniger regulierten Frankfurter Freiverkehr, am Firmensitz in Luxemburg sowie in Brüssel gehandelt.

Preisspanne von 54 bis 62 Euro

Bertelsmann hofft auf einen Erlös in der Größenordnung des aktuellen Börsenwerts: Die Aktien sollen in einer Preisspanne von 54 bis 62 Euro bei institutionellen und privaten Investoren in Deutschland und Luxemburg untergebracht werden. Am Mittwoch notierte das Papier kaum verändert bei 57 Euro.

Seit der Verkaufsankündigung im Januar brach der Kurs allerdings um 25 Prozent ein. Grund war nicht nur die Aussicht auf eine Flut zusätzlicher freier Aktien, sondern vor allem, dass Bertelsmann im März 1,6 Milliarden Euro an Dividenden für sich und die wenigen übrigen Aktionäre aus dem Unternehmen abzog. Künftig gönnt RTL den Aktionären weniger Geld als bisher: Um genug Geld für Investitionen zu haben, sollen nur noch 50 bis 75 Prozent des Nettogewinns ausgeschüttet werden, wie RTL am Mittwoch im Börsenprospekt bekräftigte. In den vergangenen Jahren überwies die RTL-Gruppe nach Unternehmensangaben mehr als ihren Gewinn an die Anteilseigner.

RTL-Vorstand wagt keine Geschäftsprognose

Auch mit Blick auf die Geschäftsaussichten gab sich RTL zurückhaltend - im Gegensatz zum Rivalen ProSiebenSat.1. Zwar sprachen die beiden RTL-Chefs Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch am Mittwoch von einem guten Jahresstart und priesen die breite Aufstellung der Gruppe im Fernseh- und Onlinegeschäft und in der Filmproduktion. Doch zu Umsatz- und Ergebniserwartungen im Gesamtjahr wollten sie sich nicht äußern. Zu unsicher seien die Konjunkturaussichten, von denen die wichtigen TV-Werbe-Erlöse abhängen. ProSiebenSat.1 hatte im Februar erklärt, der Konzern erwarte ein kleines Umsatzwachstum seiner deutschsprachigen Sender. Die Internetangebote sowie der Geschäftsbereich Produktion und Vertrieb sollten etwas mehr zulegen.

Wie RTL bereitet sich auch ProSiebenSat.1 auf neue Aktionäre vor: Die Finanzinvestoren KKR und Permira wollen sich als Haupteigner komplett verabschieden. Der Konzern könnte danach aus dem MDax in den Leitindex Dax aufsteigen. Der Betriebsgewinn (Ebita) der RTL-Gruppe stieg im ersten Quartal um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentwert, der Konzernumsatz stagnierte. Genauere Zahlen nannte der Vorstand nicht. Ergebnistreiber war erneut das Deutschlandgeschäft, das von Kostensenkungen profitierte. Sorgenkinder sind weiterhin die Töchter in Belgien, Spanien und Ungarn.

Burda übernimmt Gruner + Jahr Polen

Auch von der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr gibt es Neues: Alle Zeitschriften, ein Buchverlag sowie die digitalen Angebote in Polen gehen an den Gruner + Jahr Konkurrenten Burda, wie der Verlag am Mittwoch mitteilte. Wieviel die Münchener dafür zahlen, wurde am Mittwoch nicht bekannt. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen.

mihec/rtr,dpa

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