Sonntag, 21. April 2019

Gemeinschaftskonto Ein Paar, ein Konto?

"Wir teilen alles": Ob verheiratet oder nicht - viele Paare führen ein gemeinsames Konto. Das hat Vorteile, birgt aber auch Risiken

2. Teil: Risiko Schenkungsteuer

mm: Was meinen Sie damit? An welche größeren Zahlungen denken Sie?

Thomas: Es ist doch möglich, dass auf das gemeinsame Konto Verkaufserlöse, Boni, Dividenden oder Abfindungen fließen, die aber nur einer Person und nicht beiden Kontoinhabern zuzurechnen sind. Oder einer der Partner erbt unerwartet und bekommt eine höhere Summe auf das Konto überwiesen. Solche Gelder sollten tunlichst nicht auf das gemeinsame Oder-Konto fließen. Denn die Steuerbehörden könnten höhere Zahlungseingänge auf das Gemeinschaftskonto als Schenkung an den Partner interpretieren. Bei Überschreiten der Freibeträge erheben die Finanzbehörden Schenkungsteuer.

mm: Boni oder eine Abfindung sind doch klar an eine Person adressiert. Warum sollte der Fiskus erwarten, dass ich das Geld großzügig mit meiner Lebensgefährtin teile oder ihr gar schenke?

Thomas: Sie mögen ja das finanzielle Binnenverhältnis zu Ihrem Partner oder Partnerin kennen. Steuerbeamte unterstellen bei Ehepartnern aber grundsätzlich erst einmal, dass der nicht einzahlende Kontoinhaber zur Hälfte an der Gutschrift beteiligt wird. Das heißt, das Finanzamt besteuert die Hälfte aller eingezahlten Beträge als Schenkung. Sind die gesetzlichen Freibeträge bei Ehegatten von 500.000 Euro überschritten - wir müssen dabei auf einen Zehnjahreszeitraum abstellen - können dann schnell hohe Steuerforderungen fällig werden.

mm: Angenommen, eine Erbschaft fließt auf das gemeinsame Konto, dann könnten also nicht nur Erbschaftssteuern fällig werden, sondern auch noch Schenkungsteuern für meine Partnerin? Wie bekommt das Finanzamt überhaupt Kenntnis von diesen Kontobewegungen?

Thomas: Sie müssen davon ausgehen, dass dem Finanzamt größere Gutschriften oder Erbschaften dauerhaft nicht entgehen werden. Sie sollten diese also tunlichst in ihren Erklärungen angeben, andernfalls riskieren Sie, je nach Höhe des Betrages, den Vorwurf einer Steuerhinterziehung. Wiederum werden hohe Sondereinkünfte oder auffällige Vermögenszuwächse in Steuererklärungen in der Regel zu Nachfragen führen. Steuerbeamte nehmen indes auch bei Außenprüfungen große Beträge und deren Verwendung mit Blick auf Gemeinschaftskonten genau ins Visier. Wenn dann nichts Anderes geregelt ist, kann es durchaus passieren, dass der Vermögenszuwachs hälftig dem Partner zugerechnet und mit Schenkungsteuer belastet wird.

mm: Was sagt denn die Rechtsprechung dazu?

Thomas: Der Bundesfinanzhof hat in einem jüngeren Urteil klargestellt, dass eine größere Zahlung eines Ehegatten auf ein Gemeinschaftskonto Schenkungsteuer auslösen kann. Erleichternd stellen die Richter allerdings fest, dass die Beweislast auf Seiten der Finanzämter liegt. Entscheidend ist letztlich, wie die Partner das Konto handhaben. Als steuerrechtlich unbedenklich gilt in der Regel, wenn der nicht einzahlende Partner mit dem Geld des Gemeinschaftskontos lediglich den Lebensunterhalt bestreitet und damit kein Vermögen aufbaut.

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