VGF droht Wölbern Invest Verbannt vom Verband

Das Emissionshaus Wölbern Invest sorgt seit einiger Zeit für negative Schlagzeilen und Unmut unter Anlegern. Jetzt eckt Wölbern-Chef Schulte auch in der eigenen Zunft an. Die im Branchenverband VGF organisierten Initiatoren wollen den Fondsanbieter aus ihren Reihen verbannen.
Ausschlussverfahren läuft: Wölbern-Chef Schulte steht mit seiner Firmenpolitik zunehmend isoliert da

Ausschlussverfahren läuft: Wölbern-Chef Schulte steht mit seiner Firmenpolitik zunehmend isoliert da

Foto: Wölbern Invest

Hamburg - Deutschlands führende Emissionshäuser für geschlossene Fonds senden ein deutliches Signal an Heinrich Maria Schulte, den Inhaber und Chef des Fondsanbieters Wölbern Invest: Der Hamburger Emittent soll den Initiatorenverband VGF (Verband Geschlossene Fonds) verlassen. Zu dem Zweck setzte der Verband am vergangenen Freitag auf Beschluss des Vorstandes ein Ausschlussverfahren in Gang. Das erfuhr manager magazin online aus Kreisen des VGF. Zudem geht es aus einem Schreiben hervor, das der VGF an Wölbern-Chef Schulte schickte, und das manager magazin online im Wortlaut vorliegt.

Der VGF bestätigte auf Anfrage lediglich, dass sich der Vorstand mit der Thematik beschäftigt, wollte aber zu Inhalten keine Aussage machen. Den Verbandskreisen zufolge liegt der Grund für die Entscheidung jedoch im Informationsverhalten des Fondsanbieters gegenüber dem VGF. Die mangelnde Transparenz in den vergangenen Monaten sei nicht vereinbar mit den Statuten des Verbandes, heißt es in den Kreisen.

Näheres ist dem Schreiben an Wölbern-Chef Schulte zu entnehmen. Demnach steht der mögliche Ausschluss im Zusammenhang mit den "Sachverhalten 'Wölbern Liquiditätspool' und 'Wölbern Portfolioverkauf'". Die Mitglieder des Verbandes seien verpflichtet, den Vorstand und die Geschäftsführung in der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen, heißt es da. "Diese Unterstützung sieht der Vorstand trotz seiner diversen Bemühungen als nicht gegeben an."

Zum Hintergrund: Seit mehr als einem Jahr befindet sich das Emissionshaus Wölbern Invest mit Anlegern im Streit über ein Liquiditätsmanagementsystem, das Anfang 2012 eingeführt wurde. Per Gerichtsurteil wurde die Einführung des Liquiditätspools bereits für mehrere Fonds rückgängig gemacht, nachdem Anleger dagegen geklagt hatten. Unter den Parteien, die sich mit Wölbern wegen des Liquiditätspools schon vor Gericht getroffen haben, befindet sich unter anderem das Stuttgarter Emissionshaus Deutsche Fonds Holding (DFH), das ebenfalls Mitglied im VGF ist. Die DFH hat mit Fonds in mehrere Beteiligungsgesellschaften von Wölbern investiert.

VGF will seriöse Emissionshäuser vertreten

Weitere Streitpunkte sind die Aussetzung von Fondsausschüttungen sowie der Verdacht, Wölbern könnte im Jahr 2011 unrechtmäßig Gelder aus Immobilienfonds zweckentfremdet haben. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt deswegen gegen Wölbern-Chef Schulteund einen weiteren Manager des Hauses (Az. 5650 Js 27/12). Wölbern hat den Verdacht gegenüber manager magazin online bereits mehrfach zurückgewiesen.

Auch ein geplanter Verkauf zahlreicher Immobilien sorgt für Unruhe unter den Anlegern. manager magazin online hatte Ende Februar exklusiv über die Pläne des Hauses berichtet. Objekte aus bis zu 30 Fonds in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Österreich und anderen Ländern sollen auf einen Schlag veräußert werden. Auf diese Weise strebt Wölbern einen Erlös von bis zu 1,4 Milliarden Euro an.

Der VGF ist durch diese Entwicklung in eine schwierige Lage geraten. Der Verband versteht sich als Organisation des seriösen Teils der Anbieter geschlossener Fonds. Das hatte VGF-Geschäftsführer Eric Romba zuletzt gegenüber Medien im Zusammenhang mit dem Fall S&K betont, durch den die Kapitalanlagebranche einmal mehr ins Zwielicht geraten war.

Wie Wölbern den Rauswurf noch verhindern kann

In VGF-Kreisen heißt es, dass der Verband über die umstrittenen Themen Klarheit haben wollte. Gesprächstermine mit dem Wölbern-Management seien jedoch wiederholt kurzfristig geplatzt. Kurz vor Ostern schließlich kam es zwar zu einem Treffen zwischen Wölbern-Chef Schulte und dessen Anwalt sowie zwei Vertretern des VGF. Das Meeting brachte aus Sicht der Verbandsleute jedoch ebenfalls kein befriedigendes Ergebnis.

Damit befindet sich der VGF offenbar in Gesellschaft. Vorige Woche teilte die Berliner Ratingagentur Scope mit, sie setze ihr Management-Rating für das Emissionshaus bis auf weiteres aus. In der Begründung sprach auch Scope von "bestehenden Informationslücken". Anzumerken sei, dass Wölbern Invest zuletzt "deutliche Kommunikationsmängel gegenüber Marktteilnehmern und Investoren gezeigt hat", so die Agentur.

Kommt es tatsächlich zum Ausschluss von Wölbern Invest, so wäre es erst das zweite Mal, das ein Emissionshaus aus dem VGF fliegt. Bislang traf dieses Schicksal lediglich das Münchener Emissionshaus Doba Grund Beteiligungs GmbH (Doba). Das Unternehmen musste den Verband 2009 verlassen, weil es eine geforderte Leistungsbilanz nicht vorgelegt hatte.

Noch ist im Falle Wölberns das letzte Wort allerdings nicht gesprochen. Das Emissionshaus hat zunächst Zeit bis zum 15. April für eine Stellungnahme gegenüber dem VGF. Zudem kann es der Verbannung durch einen freiwilligen Austritt zuvorkommen. Gegenüber manager magazin online gab Wölbern zu dem Thema keine offizielle Stellungnahme ab. Inoffiziell lässt man wissen, dass es für ein etwaiges Ausschlussverfahren weder tatsächliche Gründe noch eine rechtliche Handhabe gebe.

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